Atomstreit: Iran auf Uran-Einkaufstour - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Atomstreit Iran auf Uran-Einkaufstour

Iran versucht sich offenbar in Afrika große Mengen waffenfähiges Uran zu verschaffen. Dies geht aus einem unveröffentlichten Bericht von Uno-Ermittlern hervor. Heute drohte Irans Chefunterhändler Laridschani im Fall von Sanktionen gegen das Land mit der Ölwaffe.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

London/Teheran - In Tansania wurde im vergangenen Jahr eine Uranlieferung an den Iran abgefangen. Dies berichtet die Londoner Zeitung "Sunday Times" unter Berufung auf einen Bericht von Uno-Ermittlern und Recherchen vor Ort. Der Bericht wurde am 18. Juli fertiggestellt und Ende des Monats dem Sicherheitsrat vorgelegt.

Das Uran sei von einer offiziell seit 1961 geschlossenen Mine in Lubumbashi im Kongo über Sambia nach Tansania gebracht worden. Von der Hafenstadt Daressalam sollte es dann am 22. Oktober 2005 in die iranische Hafenstadt Bandar Abbas gelangen, sagte ein Zollbeamter der Zeitung. Das Uran sei in einer Ladung des seltenen Erzes Coltan versteckt gewesen.

Der Container mit der Ladung wurde beschlagnahmt. Später, so wird der Zollbeamte zitiert, sei sie "von Amerikanern oder wenigstens mit ihrer Hilfe" abtransportiert worden. In dem Uno-Bericht wurden nach Angaben der Zeitung drei weitere Beschlagnahmungen von Uran in Daressalam in den vergangenen zehn Jahren erwähnt.

Die Veröffentlichung erfolgte am gleichen Tag, an dem der Iran bekräftigte, sein Atomprogramm fortsetzen zu wollen. "Wir werden unsere Atomtechnologie fortentwickeln, wann immer es notwendig sein wird", sagte Chefunterhändler Ali Laridschani heute in Teheran. "Unser Vorgehen steht in Einklang mit dem Atomwaffensperrvertrag, und deshalb kann Iran die Aussetzung der Anreicherung nicht hinnehmen."

Die entsprechende Uno-Resolution, die eine Aussetzung der Urananreicherungsprogramms bis Ende August fordert, sei illegal. Die Arbeiten würden unter Beobachtung der Vereinten Nationen aufgenommen.

Dann deutete der hochrangige Politiker harsche Reaktionen gegen Staaten an, die Sanktionen gegen den Iran verhängen, wenn er der Resolution nicht folgt. "Wir wollen die Ölwaffe nicht gebrauchen, aber diese Länder zwingen sie uns dann auf. Wir werden in einer Weise reagieren, die schmerzhaft für sie sein wird", sagte Laridschani. Iran ist der viertgrößte Erdölexporteur der Welt.

cai/ler/Reuters/dpa/AFP/ap

Mehr lesen über