Atomstreit Iran will doch mit Russland verhandeln
Teheran/Moskau - Iran hatte die ursprünglich für Donnerstag geplanten Verhandlungen in Moskau gestern "bis auf weiteres" verschoben. Heute kündigte der Vertreter des Obersten Nationalen Sicherheitsrats, Dschawad Waidi, in Teheran an, die Delegation werde am kommenden Montag nach Moskau reisen. Auf den Kompromissvorschlag der russischen Regierung, Uran für iranische Atomkraftwerke in Russland anzureichen, ging Waidi nicht ein. Dazu sagte er lediglich, sein Land sei zu "Verhandlungen über eine Lösung bereit, die uns nicht von unserem Programm abbringt, in unserem eigenen Land Uran anzureichern".
Russland prüfe derzeit, ob der Termin möglich sei, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Moskau.
Für Verwirrung sorgten heute Versicherungen des stellvertretenden Chefs der iranischen Atomenergiebehörde, Mohammed Saidi, sein Land habe noch nicht mit der Urananreicherung begonnen. Seine Behörde werde es öffentlich machen, sobald Urangas in die Zentrifugen geleitet werde, sagte Saidi der Nachrichtenagentur Fars. Dies werde in den nächsten Tagen der Fall sein.
Waidi dagegen sagte, die Arbeiten zur Urananreicherungen hätten begonnen. Am Montag hatte auch ein Diplomat bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) angegeben, Iran habe bereits damit begonnen, in seiner Forschungsanlage in Natans Uran in geringem Umfang anzureichern.
Je nach Anreicherungsgrad kann das Uran zur Energiegewinnung oder für den Bau von Atomwaffen verwendet werden. Teheran will nach eigenen Angaben nur schwach angereichertes Uran für seine Atomkraftwerke herstellen. Der Westen verdächtigt Teheran, heimlich nach Atomwaffen zu streben. Anfang Februar hatte die IAEA den Uno-Sicherheitsrat über den Streit informiert. Am 6. März berät der Gouverneursrat erneut.
In einer gemeinsamen Erklärung appellierten Russland und Frankreich an Teheran, seinen Verpflichtungen in vollem Umfang nachzukommen. Präsident Wladimir Putin und der französische Premierminister Dominique de Villepin forderten Iran auf, sich an seine Verpflichtungen zu halten, "einschließlich aller Aktvitäten, die zur Wiederaufbereitung und Anreicherung von Uran führen". Teheran billigten sie ausdrücklich das Recht zu, ein Atomenergieprogramm zu entwickeln, dessen Zwecke nachweisbar friedlich seien.
ler/AFP/AP