Aufbruch: Libyen hofft auf den Neustart - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Letztes Gefecht in Sirt: Libyer bejubeln Ende des Diktators

Foto: ISMAIL ZITOUNI/ REUTERS

Aufbruch Libyen hofft auf den Neustart

Gaddafis Herrschaft ist Geschichte, die Nato kündigt das baldige Ende ihrer Militäroperation an: Nun hoffen die Menschen auf einen Neubeginn. Ministerpräsident Dschibril will in Kürze die Befreiung Libyens verkünden - das Land wartet auf die Stunde null.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Tripolis - Libyen atmet auf. Die mehr als vier Jahrzehnte währende Herrschaft von Ex-Machthaber Muammar al-Gaddafi ist endgültig vorbei. Ein Sprecher des Übergangsrats hatte am Nachmittag den Tod Gaddafis in seiner bis zuletzt umkämpften Heimatstadt Sirt bestätigt. Er war demnach am Vormittag verletzt gefangen genommen worden und starb später. Die genauen Umstände des Todes sind allerdings noch unklar. Die Truppen des Übergangsrats meldeten gleichzeitig die Einnahme von Sirt als letzte Bastion der Gaddafi-Unterstützer.

Von Gaddafi fehlte seit dem 27. August jede Spur.

Die neue Führung des Landes will nun rasch durchstarten. Der Präsident des Nationalen Übergangsrats, Mustafa Abd al-Dschalil, werde bis spätestens Freitag "die Befreiung des Landes erklären", sagte der Regierungschef der neuen Führung, Mahmud Dschibril. Dann werde er auch "Details über die Tötung Gaddafis" bekanntgeben. "Mit der Bestätigung, dass alle bösen Menschen, Gaddafi eingeschlossen, aus unserem geliebten Land verschwunden sind, ist es Zeit für die Libyer, ein neues Land auf den Weg zu bringen, ein vereintes Libyen, ein Volk mit einer Zukunft", sagte Dschibril.

Der Tod Gaddafis ist eine weitere historische Zäsur im Arabischen Frühling, der vor neun Monaten mit einem Umsturz in Tunesien begann und seither die ganze Region ergriffen hat.

Außer Gaddafi sollen auch dessen Geheimdienstchef Abdullah al-Sanussi und Verteidigungsminister Abu Bakr Junis Dschabir getötet worden sein. Außerdem soll sich der verletzte Gaddafi-Sohn Mutassim in den Händen der Milizionäre befinden, berichtete der arabische Fernsehsender al-Dschasira, am Abend hieß es, auch er sei tot. Zum Schicksal eines weiteren Gaddafi-Sohns, Saif al-Islam, gab es ebenfalls unterschiedliche Angaben, womöglich ist er auch er tot. Insgesamt kamen den Angaben zufolge mindestens 17 Mitglieder des ehemaligen Führungszirkels um.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Libyer zur Versöhnung auf. "Die Kämpfer aller Seiten müssen ihre Waffen in Frieden niederlegen. Das ist die Zeit der Versöhnung, nicht der Rache", sagte Ban. "Die Zukunft des libyschen Volkes wird nicht einfach und voller Herausforderungen sein." Deshalb müssten alle Libyer kooperieren. "Die Herausforderungen der Zukunft können sie nur zusammen und versöhnt meistern."

Fotostrecke

Muammar al-Gaddafi: Stationen eines Diktators

Foto: UPI/ dpa

"Die großen Hoffnungen der Revolution und der Kämpfe müssen sich in Chancen und Gerechtigkeit für alle verwandeln", sagte der Südkoreaner. Der Übergangsrat bereite bereits Wahlen und viele andere Schritte vor, um ein modernes Land aufzubauen. "Alle Libyer müssen sich in dem Land und seiner Regierung wiederfinden können." Die Vereinten Nationen stünden an der Seite des libyschen Volkes und unterstützten es.

Die Nachricht vom Tod des Despoten löste in westlichen Staaten Erleichterung aus. Kanzlerin Angela Merkel sieht das Land vor einem "Neuanfang in Frieden". "Heute kann Libyen eine neue Seite in seiner Geschichte aufschlagen und eine neue demokratische Zukunft beginnen", heißt es in einer EU-Erklärung. "Sic transit gloria mundi" - so vergeht der Ruhm der Welt - mit diesen Worten zitiert die italienische Nachrichtenagentur Ansa Regierungschef Silvio Berlusconi.

"Ich bin stolz auf die Rolle, die Großbritannien dabei gespielt hat", kommentierte der britische Premierminister David Cameron mit Blick auf die Unterstützung der Aufständischen durch die Nato. US-Präsident Barack Obama appellierte an die Libyer, weiterhin mit der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten auf dem Weg zur Demokratie.

ffr/dpa/AFP/Reuters/AP/dapd