Ausschreitungen im Irak: Spanier feuern auf wütende Schiiten - 24 Tote - DER SPIEGEL
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Ausschreitungen im Irak Spanier feuern auf wütende Schiiten - 24 Tote

In der irakischen Pilgerstadt Nadschaf ist es zu blutigen Ausschreitungen gekommen. Als aufgebrachte Schiiten sie angriffen, eröffneten spanische Soldaten das Feuer. Mindestens 20 Iraker wurden erschossen, vier Soldaten starben, 150 Personen wurden verletzt.
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Nadschaf - Später kam es auch in der Hauptstadt Bagdad zu Schießereien. Bei Zusammenstößen zwischen irakischen Demonstranten und US-Soldaten in einem Armenviertel sind mindestens ein Iraker getötet und zahlreiche weitere verletzt worden.

Die Ausschreitungen in Nadschaf zogen sich über drei Stunden hin. Der radikale, antiamerikanische, schiitische Geistliche Muktada al-Sadr rief seine Anhänger auf, ihre Proteste zu beenden. Zuvor hatten mehrere Tausend Gefolgsleute des Predigers vor dem spanischen Militärstützpunkt in Nadschaf protestiert. Plötzlich waren Schüsse zu hören.

Ein Sprecher des spanischen Hauptquartiers, Carlos Herradon, sagte, die Angreifer hätten das Feuer eröffnet, die spanischen Soldaten hätten daraufhin zurückgeschossen. Die Schießerei habe bis in den Nachmittag gedauert. Die Verletzten wurden in mehreren Krankenhäusern von Nadschaf behandelt. Unter den Todesopfern waren auch zwei irakische Soldaten, die auf Seiten der Spanier in die Demonstration einschritten.

Augenzeugen berichteten dagegen, die Demonstranten und Mitglieder der verbotenen Mehdi-Miliz hätten lediglich mit Steinen geworfen und versucht, in den Stützpunkt der Spanier einzudringen. Die Spanier hätten die ersten Schüsse abgegeben. Auch die Mehdi-Armee unterstützt den radikalen antiamerikanischen Kleriker al-Sadr.

Nach Angaben des spanischen Verteidigungsministeriums wurden bei dem Gefecht auch vier Soldaten aus El Salvador getötet und weitere neun verletzt. Der arabische Nachrichtensender al-Dschasira meldete, Ärzte hätten in Nadschaf 20 Tote und 150 verletzte Iraker gezählt.

Angeblich protestierten die Schiiten gegen die Festnahme des al-Sadr-Vertrauten Mustafa al-Jakubi durch spanische Truppen. Diese erklärten aber, ihnen lägen keine Informationen über die Festnahme vor. Zudem waren die Demonstranten wütend über die Schließung der radikalen Zeitung "al-Hausa" vor einer Woche. Das Blatt galt als Sprachrohr al-Sadrs. Nadschaf ist ein Zentrum der Schiiten.

Angriffe auf Marines, Bomben in Schulen

In Bagdad paradierten rund 5000 Angehörige der Mehdi-Armee, im Stadtteil Sadr City, der Hochburg des Geistlichen. Al-Sadr hatte zuvor zu einem Sitzstreik in einer Moschee in der Stadt Kufa aufgerufen, in der er seit einigen Wochen predigt.

Am Samstag waren bei einer Demonstration der zum Großteil sehr jungen al-Sadr-Getreuen in Bagdad, zwei Schiiten ums Leben gekommen, als sie sich vor amerikanische Panzer warfen. Demonstranten trugen am Sonntag die Särge der zwei Aktivisten durch Bagdad.

Auch in anderen Teilen des Iraks gab es am Wochenende neue Gewalt. Eine Moschee in der Stadt Bakuba wurde am Sonntag durch eine Bombe zerstört. Diese explodierte nach dem Ende der Morgengebete, so dass das Gebäude leer war, als es in sich zusammenstürzte. Bei Angriffen auf die US-Armee westlich von Bagdad wurden, dem US-Militär zufolge, am Samstag zwei Marineinfanteristen getötet.

An einer Straßensperre in Samarra, rund 100 Kilometer nördlich von Bagdad, wurden am Sonntag drei irakische Sicherheitskräfte getötet. Am Samstag wurde der Polizeichef der südlich von Bagdad gelegenen Stadt Mahmudija in seinem Auto erschossen. Tags zuvor war der Polizeichef der südirakischen Stadt Kufa getötet worden. Bei einem weiteren Angriff auf eine Polizeipatrouille kamen am Samstag ein Beamter und ein Passant ums Leben.

Erstmals wurden am Samstag auch in zwei irakischen Schulen Bomben entdeckt. Amerikanische und irakische Sicherheitskräfte in Ramadi entschärften einen der Sprengsätze, der zweite wurde kontrolliert zur Explosion gebracht.

Rebellen verübten am Sonntag einen Anschlag auf eine Pipeline im Süden des Landes und setzten sie in Brand. Das Feuer werde jedoch den Export nicht beeinträchtigen, sagte ein Vertreter der Ölgesellschaft. Die Pipeline verläuft von Basra zum Hafen Fau.

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