Austausch-Deal in Nahost: Krieg der Bilder - DER SPIEGEL
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Austausch-Deal in Nahost Krieg der Bilder

Trauer gegen Jubel. Tränen gegen Lachen. Schmerzens- gegen Freudenschreie. Während Israel den Verlust zweier Soldaten beweint, feiert die Hisbollah die Freilassung von fünf libanesischen Gefangenen wie einen Triumph - der umstrittene Austauschdeal wird von beiden Seiten gekonnt inszeniert.
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Hamburg - Gerade war er noch der Mann im ausgewaschenen Sweatshirt, mit müden, verquollenen Augen, die Hände vor dem Bauch aneinander gekettet. Und dann ist er plötzlich ein ganz anderer: strahlend, fester Blick, in einer frischen Uniform. Die Verwandlung des Samir Kuntar geschieht so rasch, dass sich Fernsehzuschauer oder Zeitungsleser in einer Zeitreise wähnen. Der seit fast 30 Jahren in Israel einsitzende Hisbollah-Kämpfer, noch eben von der langen Haft gezeichnet, ist nun der vitale Held eines Landes.

Und während die Libanesen Kuntar huldigen, weint halb Israel. Nicht wegen der Freilassung von Kuntar, der für mehrere brutale Morde in Israel zu 542 Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Sondern weil Israel für ihn und vier weitere Hisbollah-Kämpfer nicht mehr als zwei Leichen als Austausch bekam. Nicht nur die Familien von Ehud Goldwasser und Eldad Regev trauern um ihre toten Söhne, Männer, Brüder und Cousins - viele Bürger in Israel scheinen an diesen Tagen die heimgekehrten und doch verlorenen Soldaten zu beweinen. Die Bilder der Leichenzüge für Goldwasser und Regev gehen einer Nation ans Herz.

Dabei ist der in Israel schon am Tag nach dem Austausch höchst umstrittene Deal vor allem ein Kampf der Bilder. Ein Wettstreit der Eindrücke. Ein Krieg der Emotionen.

Aus Sicht der israelischen Führung ist klar: Das Triumph-Geschrei der anderen Seite schadet ihr. Weil es ihre Schwäche zeigen, ihre Niederlage bei dem Austausch-Deal bestätigen könnte. Umso lieber lässt sich die Hisbollah per Pferd, auf dem Lastwagen oder in Reih und Glied beim Jubeln ablichten und filmen.

Auf jeder Seite will man profitieren: Da ist das Bild des israelischen Regierungschefs Ehud Olmert, wie er die Witwe Karnit Goldwasser am Sarg ihres toten Mannes umarmt. Keiner in Israel kann ein solches Foto im Moment wohl so gut brauchen wie Olmert. Der Ministerpräsident ist wegen verschiedener Affären so angeschlagen, dass ihm jederzeit das Aus droht. Oder das Bild von Libanons Staatsspitze beim Empfang des heimgekehrten Hisbollah-Helden Kuntar. Präsident Michel Suleiman, Parlamentspräsident Nabih Berri und Premier Fuad Siniora - jeder von ihnen dürfte über dieses Foto angesichts der wackligen politischen Lage im Libanon sehr glücklich sein.

Und auch das gehört zur Schlacht der Bilder: Um die israelische Sicht der Dinge darzustellen, hat das Außenministerium nun auf YouTube ein Video in arabischer Sprache veröffentlicht. Darin wird die Hisbollah dafür kritisiert, dass sie Samir Kuntar als "Helden" feiert. Kuntar saß seit 28 Jahren wegen mehrfachen Mordes, unter anderem eines vierjährigen Mädchens, in Israel im Gefängnis.

In arabischer Sprache sagt ein Sprecher des Ministeriums: "Für die Hisbollah ist Samir Kuntar ein erstklassiger Held, während er für Israel und den Rest der zivilisierten Welt der verabscheuungswürdigste Mörder ist". Die Hisbollah sei eine Terrororganisation, die von Iran finanziert werde und stolz auf einen kaltblütigen Mörder sei. Das Video wurde inzwischen mehr als 11.000-mal abgerufen.

In diesen Tagen ist auch immer wieder das Foto von zwei lachenden jungen Männern zu sehen. Voller Energie, in der Blüte des Lebens. Es sind Archivbilder von Ehud Goldwasser und Eldad Regev.

Im kollektiven Gedächtnis wird etwas anderes bleiben - und das ist nicht minder traurig als das Schicksal der beiden: ihre von israelischen Flaggen umhüllten Särge.

flo/ffr/AFP/dpa

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