Bagdad Bomben gegen Saddam-TV
Bagdad - Lange dauert der Sendeausfall nicht. Die Auslandssendungen des irakischen Satellitenfernsehens wurden gegen 4.30 Uhr unterbrochen. Auch vom Fernsehsender "El Schabab" des Präsidentensohns Odai Saddam Hussein kamen keine Signale mehr. Das Inlandsfernsehen und das staatliche Radio nahmen aber am Morgen ihr Programm wieder auf.
Um 9.00 Uhr (07.00 Uhr MEZ) gingen Verse aus dem Koran über die Bildschirme. Techniker des Senders hatten offensichtlich Ersatzanlagen in Betrieb genommen. Das in Bagdad ausgestrahlte Programm des Senders am Vormittag zeigte aber teilweise wacklige Bilder. Im Satelliten-TV war nur ein leerer Schirm zu sehen oder von Zeit zu Zeit Standbilder. Offenbar eine Folge hektischer Reparaturarbeiten.
Ziel der Angriffe auf die Fernseh- und Kommunikationseinrichtungen war US-Regierungskreisen zufolge, die Fähigkeit der irakischen Regierung zur Kontrolle über das Land zu schwächen. "Kurz vor Tagesanbruch haben die Verbündeten den irakischen Haupt-Fernsehsender, einen Schlüssel-Telekommunikationsraum und Bagdads Mobilfunknetz getroffen, wobei die Kommando- und Kontrollfähigkeiten des Regimes beeinträchtigt wurden", hieß es. Unbestätigten Berichten zufolge soll auch ein Sendemast des Fernsehens in Abu Ghareib nördlich von Bagdad getroffen worden sein. Bei den Angriffen seien Marschflugkörper vom Typ Tomahawk und weitere Präzisionswaffen eingesetzt worden.
Ein Reuters-Korrespondent berichtete, das Bombardement am Morgen habe drei Stunden lang gedauert. "Sie haben das Gebiet wirklich unter Beschuss", fügte er hinzu. Bereits am Vorabend waren zahlreiche Explosionen im Zentrum Bagdads zu hören gewesen. In einem Hotel, in dem Journalisten untergebracht sind, fiel daraufhin das Fernsehbild aus. Später waren die Programme aber wieder zu empfangen. Ein Vertreter des irakischen Fernsehens nannte ein "technisches Problem an Sendeanlagen" als Grund für den zeitweiligen Bildausfall.
Der Korrespondent der ARD in Bagdad, Stephan Kloss, berichtete am Morgen, alle privaten Satelliten-Anbieter in Bagdad, die für die ausländischen TV-Journalisten arbeiteten, hätten jeweils einen Kanal abgeben müssen.
Amnesty International kritisierte inzwischen die Luftangriffe als eine Verletzung der Genfer Konvention. "Die Bombardierung einer Fernsehstation - nur aus dem Grund, dass sie für Propagandazwecke genutzt wird - kann nicht akzeptiert werden. Das ist ein ziviles Objekt und somit vom humanitären Völkerrecht geschützt", erklärte die Menschenrechtsorganisation.
TV-Bilder spielen in diesem Krieg eine so große Rolle wie vielleicht nie zuvor. Die irakische Führung nutzt das Fernsehen unter anderem, um das Volk gegen die Invasionsarmee der USA und ihrer Verbündeten zu mobilisieren. Zudem hatten jüngst Aufnahmen von US-Kriegsgefangenen in den USA für Empörung gesorgt. Bereits zwei Mal seit dem Beginn der Kämpfe am Donnerstag ist Staatspräsident Saddam Hussein im Fernsehen aufgetreten, wobei er das Volk auf eine Abwehrschlacht gegen die Angreifer einschwor. Vertreter des US-Geheimdienstes bezeichneten die Auftritte als authentisch, schlossen jedoch nicht aus, dass sie im Voraus aufgezeichnet worden sein könnten.