Bagdad Heftige Explosionen beim US-Hauptquartier
Bagdad - Der arabische Fernsehsender al-Dschasira berichtete, vier Raketen seien auf das Gebiet um den von den Amerikanern genutzten ehemaligen Palast von Saddam Hussein in der Nähe der Brücke al-Dschumharija abgefeuert worden. In dem Saddam-Palast residiert heute US-Chefverwalter Paul Bremer. Das Pentagon gab bekannt, drei Menschen seien verletzt worden. Weitere Einzelheiten gab es zunächst nicht.
Ein irakischer Wachmann sagte der Nachrichtenagentur Reuters, drei Explosionen seien auf dem Gelände der US-Verwaltung zu hören gewesen: "Da sind viele Soldaten herumgelaufen, es gab eine Menge Panik. Ich habe keine Verletzten gesehen." Journalisten wurde der Zugang zu der Palastanlage verwehrt.
Am Vorabend waren im selben Viertel, der so genannten "grünen Zone", mindestens drei Mörsergranaten eingeschlagen. Nach Angaben der US-Truppen ging ein Artilleriegeschoss bei einem US-Stützpunkt nieder, richtete aber keinen Schaden an. Die "grüne Zone" erstreckt sich in Bagdad am Westufer des Tigris. Sie umfasst neben dem früheren Saddam-Palast ein großes Konferenzzentrum, in dem unter anderen die US-Pressestelle untergebracht ist, ein US-Militärhospital und das Hotel "Raschid". In diesem Hotel wohnten bis vor kurzem Mitarbeiter der US-Verwaltung und US-Militärs.
Das "Raschid" war geräumt worden, nachdem es am 26. Oktober von Unbekannten mit einem Raketenwerfer beschossen worden war. Dabei starb ein US-Offizier, ein Dutzend Menschen wurden verletzt. US- Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz, der sich anlässlich eines Bagdad-Besuchs im Hotel aufhielt, entging dem Anschlag unverletzt.
Spanien zieht Diplomaten ab
Die spanische Außenministerin Ana Palacio teilte unterdessen mit, Diplomaten seien nach Jordanien verlegt worden. Vier Angehörige der spanischen Botschaft seien im Irak geblieben, sagte die Ministerin nach Rundfunkberichten am Rande des deutsch-spanischen Gipfeltreffens in Berlin. Der Abzug sei nur eine "vorübergehende Maßnahme". Die Diplomaten sollten möglichst bald in den Irak zurückkehren, sobald dort die derzeitige "heikle Situation" überwunden sei. S
Ministerpräsident José María Aznar sagte, die Diplomaten seien zu "Konsultationen" zurückgerufen worden. Die Regierung wolle mit dem Personal die Lage im Irak bewerten. Von einem Abzug könne keine Rede sein. Die spanische Vereinte Linke (IU) forderte, Aznar solle das Parlament über den Rückzug der Diplomaten unterrichten.
Spanien hatte die USA beim Krieg gegen den Irak von Anfang an unterstützt. Nach einem Bericht der Madrider Zeitung "El Mundo" hat Spanien rund 20 Zivilbeamte aus dem Irak abberufen. Dazu gehörten Angehörige der Botschaft und spanische Mitarbeiter der von den USA eingesetzten Zivilverwaltung im Irak.
Ein Agent des spanischen Geheimdiensts war kürzlich in Bagdad vor seiner Wohnung ermordet worden. Derzeit sind rund 1300 spanische Soldaten im Irak stationiert. Die Vereinten Nationen hatten alle ausländischen Mitarbeiter aus Bagdad abgezogen.
US-Soldat durch Bombe getötet
Bei der Explosion einer Bombe wurde am Vormittag in Bagdad ein US-Soldat getötet, zwei weitere wurden verletzt. In der nordirakischen Stadt Mossul feuerten militante Gegner der US-Besatzung fünf Granaten auf ein Hotel, in dem amerikanische Soldaten untergebracht waren. Verletzt wurde nach Angaben der US-Armee niemand.
Ebenfalls in Mossul fiel ein christlicher Richter am Dienstag einem Anschlag zum Opfer. Ismail Jussef war stellvertretender oberster Richter am Berufungsgericht der Provinz Nineweh, wie die Polizei mitteilte. Die britischen Streitkräfte teilten am Dienstag mit, dass bereits am Freitag ein Soldat bei einem Einsatz der Koalitionstruppen ums Leben gekommen sei.