Bagdad "Plötzlich war nur noch Feuer"
Bagdad - Die "Grüne Zone" am Tigris-Ufer ist einer der am schärfsten bewachten Stadtteile von Bagdad. US-Soldaten kontrollieren jeden, der in den ehemaligen Palast der Republik gelangen will, wo die "Coalition Provisional Authority" (CPA) untergebracht ist, die amerikanische Besatzungsverwaltung. Auch der junge Iraker Omar Baschir hatte sich am Sonntagmorgen vor dem Haupttor in die Warteschlange eingereiht. Er suchte Arbeit.
"Ich hatte meine Papiere fertig und bereitete mich darauf vor, durchsucht zu werden", sagte er der Korrespondentin der Nachrichtenagentur AP: "Da hatte ich plötzlich nur noch Feuer vor den Augen." Baschir hatte Glück. Er überlebte den Anschlag mit einer 500-Kilogramm-Bombe, der mindestens 20 Menschen das Leben kostete. Die meisten von ihnen hatten sich wie Baschir um Arbeit bemüht. Unter den Toten sind zwei Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums, wie die US-Streitkräfte mitteilten. Mindestens 60 Menschen wurden verletzt, unter ihnen sechs Amerikaner.
Bombe im Geländewagen
Tödlich verletzt wurde auch der Freund von Nabil Abdul Sahar, der ebenfalls in der Warteschlange stand. "Mein Freund stand hinter mir in der Reihe, als die Explosion geschah", berichtete Sahar mit zitternder Stimme. "Ich schaute nach ihm und sah, dass ihm die Kehle durchgeschnitten war. Ich rief nach Hilfe, aber niemand kam. Er starb am Boden liegend."
Wenige Meter von den Wartenden entfernt, fuhr ein Geländewagen vom Typ Land Cruiser auf das Tor zu, wie die Augenzeugen berichteten. Der Fahrer habe noch versucht, an die Spitze einer Kolonne von einfahrenden Autos zu gelangen, sagte Salah Farhan. Als sie das sahen, gingen die Soldaten an der Sperre in Deckung. Der Geländewagen explodierte, als noch etwa zwei Autos vor ihm waren. Es sei in die Luft geflogen und mit einem lauten Krach gelandet, sagte Hamid Hawwam. Sieben abgestellte Autos gingen ebenfalls in Flammen auf.
"Die Explosion war sehr stark", berichtete Mohammed Dschabar, der im Planungsministerium arbeitet. "Wir wurden in die Luft geworfen. Leute fielen aufeinander." Nach der Explosion kümmern sich Soldaten und Iraker um die Verletzten. Viele sind schockiert und weinen. Die irakische Polizei verkündete über Lautsprecher, dass die US-Streitkräfte eine Belohnung von 2.500 Dollar für Hinweise auf die Täter ausgesetzt hätten.
"Mörderische und zynische Absicht"
Der oberste Zivilverwalter der USA für Irak, Paul Bremer, hielt sich am Wochenende zu Gesprächen mit den Vereinten Nationen in New York auf. Er verurteilte den Anschlag als "weiteres Zeichen für die mörderische und zynische Absicht von Terroristen, die Freiheit, Demokratie und Fortschritt in Irak untergraben." Sie würden ihre Ziele jedoch nicht erreichen, erklärte Bremer. Auch in Tikrit, der Heimatstadt des gestürzten irakischen Staatschefs Saddam Hussein, explodierte am Samstagabend eine Autobombe. Dabei wurden 150 Meter von einer amerikanischen Militärpatrouille entfernt die beiden Autoinsassen getötet, wie ein US-Offizier am Sonntag mitteilte. Offenbar habe es sich um einen gescheiterten Anschlag gehandelt.
Ebenfalls bereits gestern waren bei einem Bombenanschlag auf einen Schützenpanzer nördlich von Bagdad drei US-Soldaten und zwei irakische Sicherheitskräfte getötet worden. Damit hatte sich die Zahl der im Irak ums Leben gekommenen US-Soldaten auf mehr als 500 erhöht.