Bagdad Regierungschef stoppt umstrittenen Mauerbau
Bagdad - Er habe die US-Armee darum gebeten, Alternativen zum Schutz des Gebiets zu finden, sagte al-Malikiauf einer Pressekonferenz in Kairo. Die Mauer "erinnert uns an andere Mauern", sagte der Regierungschef - mit einem offensichtlichen Hinweis auf die Berliner Mauer. Solche Wälle lehne er ab, betonte al-Maliki.
Durch die von den US-Streitkräften geplante Mauer wäre Asamija von den schiitischen Vierteln Bagdads abgeschnitten worden. Anwohner und sunnitische Politiker hatten kritisiert, damit würde das Viertel komplett isoliert.
Nach Angaben der US-Streitkräfte sollte der Wall rund fünf Kilometer lang und an einigen Stellen 3,50 Meter hoch werden. Die Eingänge in das sunnitische Viertel am Ostufer des Tigris sollten von irakischen Soldaten kontrolliert werden. Die Bauarbeiten begannen bereits am 10. April.
Gemeindevertreter und Anwohner protestierten am Samstag, sie seien vor Beginn der Arbeiten nicht gefragt worden. Der Vorsitzende des Gemeinderats von Asamija, Dawud al Asami, erklärte, Vertreter der US-Streitkräfte hätten vor einigen Tagen zwar um Erlaubnis gebeten.
Obwohl das Projekt noch nicht gebilligt worden sei, hätten die Bauarbeiten schon begonnen. Der Ingenieur Ahmed al Dulaimi warnte, der Bezirk werde zu einem Gefängnis. "Sie werden uns alle bestrafen wegen einiger Terroristen hier und da."
Tote bei Anschlägen mit Autobomben
Die Gewalt im Irak kostete am Wochenende erneut Dutzende Menschen das Leben. Vor einer Polizeiwache im Westen Bagdads sprengten am Sonntag binnen weniger Minuten zwei Attentäter ihre Fahrzeuge in die Luft. Nach Angaben eines Polizeisprechers wurden 13 Menschen getötet und mehr als 80 weitere verletzt. Bei der Explosion einer Autobombe im Südwesten der Hauptstadt wurden laut Polizei mindestens sieben Zivilpersonen in den Tod gerissen und 42 verletzt.
Im nordirakischen Mossul töteten Bewaffnete 23 Mitglieder der religiösen Minderheit der Jasidi. Sie stoppten einen Bus mit Arbeitern, die von Mossul nach Baschika unterwegs waren, ließen Christen aussteigen und fuhren mit den Jasidis nach Mossul zurück. Dort mussten sich die Arbeiter an einer Wand aufstellen und wurden erschossen.
In Falludscha wurde am Samstag der Vorsitzende des Stadtrats, Sami Abdul Amir, aus einem fahrenden Wagen heraus erschossen. Der al-Qaida-Kritiker war erst vor einem Monat in das Amt gewählt worden und ist bereits der vierte Stadtratsvorsitzende der früheren Rebellenhochburg, der innerhalb von rund einem Jahr getötet wurde.
Bei der Explosion einer Bombe in einem Bus im Bagdader Stadtviertel Sadr City kamen nach Polizeiangaben mindestens drei Menschen ums Leben. In Kirkuk töteten Bewaffnete ein Ehepaar und dessen zwei Töchter. Rund 60 Kilometer südlich von Bagdad wurden nach Polizeiangaben der Bürgermeister von Mussajjib und einer seiner Leibwächter getötet. Südwestlich von Bagdad wurde ein US-Soldat von einer Bombe getötet, wie die Streitkräfte am Sonntag mitteilten. Zwei weitere wurden verletzt.
Al-Maliki warb in Kairo um Unterstützung für seine Regierung. Es gehe im Irak nicht einfach um Bürgerkrieg oder religiös motivierte Gewalt, sondern um Terrorismus, sagte al-Maliki nach einem Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak. Außerdem traf er mit seinem ägyptischen Kollegen Ahmed Nasif zusammen. Anschließend wollte al-Maliki nach Kuwait, in die Vereinigten Arabischen Emirate und den Oman weiterreisen.
reh/AP/AFP