Bagdad Saddam boykottiert Prozess
Amman - Iraks Ex-Diktator Saddam Hussein und vier seiner einstigen Getreuen blieben heute ihrem Prozess vor dem Sondertribunal in Bagdad fern. Man werde erst dann wieder am Prozess teilnehmen, wenn der neue Chef-Richter Rauf Raschid Abdel Rahman zurückgetreten sei, kündigte Hauptverteidiger Chalil Dulaimi bereits am Morgen an. Die Verteidiger hätten einstimmig beschlossen, das Verfahren solange zu boykottieren, "bis ihre vernünftigen und sachlichen Forderungen für einen fairen, ehrlichen, durchsichtigen und öffentlichen Prozess erfüllt sind." Die Verteidiger stellten elf Bedingungen, neben der Absetzung von Rahman, dem sie "feindseliges" Verhalten gegenüber Saddam Hussein und dessen sieben Mitangeklagten vorwarfen, auch die Verlegung des Prozesses in ein Land, "das Sicherheit bietet".
Rahman leitete Sonntag zum ersten Mal die Sitzung. Sein Vorgänger Riskar Mohammed Amin hatte sein Amt Anfang Januar niedergelegt, nachdem Politiker aus dem Irak und den USA seine Prozessführung als zu rücksichtsvoll gegenüber Saddam Hussein kritisiert hatten.
Saddam Hussein steht im Zusammenhang mit der Tötung von 148 Einwohnern des schiitischen Ortes Dudschail im Jahre 1982 vor Gericht. Bei einer Verurteilung droht ihm die Todesstrafe.
Der im Oktober begonnene Prozess ist mehrmals unterbrochen worden. Zuletzt hatten Saddam und seine Anwälte am Sonntag aus Protest den Gerichtssaal verlassen. Zunächst wurde Saddams Halbbruder und Mitangeklagter Barsan Ibrahim des Saales verwiesen, weil er den Richter als "Hurensohn" bezeichnet hatte. Anschließend musste ein Anwalt Saddam Husseins das Gebäude verlassen.
lan/AP/Reuters