Barak Kein Frieden in Sicht
Washington - "Wir sind weiter frustriert", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, J. P. Crowley, nach dem Treffen zwischen Clinton und Arafat. Der Palästinenser-Chef nannte das Gespräch dagegen zwar "wichtig, konstruktiv und positiv". Er sei zu einem neuen Nahost-Gipfel nach dem Muster des Camp-David-Treffens vom Juli bereit. Voraussetzung sei allerdings eine "angemessene Vorbereitung".
Arafat warf dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak vor, die Waffenstillstandsvereinbarung von Scharm al-Scheich nicht umgesetzt zu haben. Auf Fragen, ob er offiziell zum Ende der Gewalt aufrufen werde, sagte Arafat: "Ich bin nicht derjenige, der die Gewalt ausgelöst hat. Ich greife die Israelis nicht an."
Beobachter sprachen von einer kühlen Atmosphäre während des Treffens in Washington. Bei der üblichen Fotogelegenheit sahen Clinton und Arafat einander nicht an. Außenministerin Madeleine Albright schaute derweil in ein Buch.
Barak gab sich ebenfalls skeptisch. Er rechnet nicht mit einer Wiederaufnahme der Verhandlungen mit den Palästinensern. Die Erwartungen an sein bevorstehendes Treffen mit Clinton sollten heruntergeschraubt werden, sagte er beim Besuch eines Armeestützpunktes in der Nähe von Ramallah im Westjordanland.
Am Donnerstag hatten erstmals israelische Kampfhubschrauber nahe dem Ort Bet Sachur bei Bethlehem im Westjordanland das Auto eines militanten Führers von Arafats Fatah-Organisation mit Raketen angegriffen. Der 33-jährige Hussein Abajat wurde dabei getötet. Die Armee erklärte später, der Mann sei für zahlreiche bewaffnete Angriffe auf den jüdischen Vorort Gilo am Rande Jerusalems verantwortlich gewesen. Bei dem Hubschrauber-Angriff wurden zwei 52 und 57 Jahre alte Frauen tödlich verletzt.
Das US-Außenministerium äußerte vorsichtige Kritik an der Hubschrauber-Attacke. Die israelische Militäraktion werfe "ernste Fragen" auf, die US-Diplomaten in der Region untersuchen würden, sagte Außenamtssprecher Richard Boucher.