Barak oder Scharon Schicksalswahl in Israel
Jerusalem - Eine von der Scharon-nahen Tageszeitung "Jerusalem Post" veröffentlichte Meinungsumfrage sagte dem 72-jährigen, umstrittenen Politiker einen Erdrutsch-artigen Sieg mit bis zu 27 Prozent Vorsprung vor dem amtierenden Premier Ehud Barak voraus. Andere Umfragen prophezeien dem Vorsitzenden der rechten Likud-Partei bis zu 18 Prozent Vorsprung. Barak hatte die zweite Ministerpräsidentenwahl binnen 22 Monaten durch seinen Rücktritt im Dezember erzwungen.
Rund 4,1 Millionen Israelis sind wahlberechtigt, weitere 400.000 im Ausland lebende Israelis dürfen nach israelischem Recht nicht wählen. Scharon hat bereits angekündigt, dass er die Nahost-Friedenspolitik des 59-jährigen Barak nicht fortsetzen und dessen Konzessionen gegenüber den Palästinensern nicht akzeptieren werde. Die Palästinenser haben den Wahltag zum "Tag des Zorns" erklärt.
Wegen palästinensischer Terror-Drohungen riegelte die israelische Armee in der Nacht die Palästinensergebiete ab. Rund 15.000 Polizisten sind im Einsatz, um Störungen zu verhindern. In der überwiegend arabischen Stadt Taibe in Nordost-Israel errichteten Unbekannte in der Nacht Straßensperren, um israelische Araber an der Stimmabgabe zu hindern. Arabische Politiker in Israel haben die rund 500.000 arabischen Wahlberechtigten aufgerufen, die Wahl zu boykottieren.
Maskierte Angehörige der israelisch-arabischen Minderheit blockierten zeitweise die Hauptstraße in der Stadt Taibeh und warfen Steine auf Autos, wie der israelische Armeerundfunk berichtete. Die Polizei trieb die Männer zurück.