Basra: Briten unter Feuer - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Basra Briten unter Feuer

Gestern hatte der radikale Schiit Muktada al-Sadr eine Kopfprämie auf die Tötung und Gefangennahme von Besatzungssoldaten ausgesetzt. Heute zeigt sein Aufruf Wirkung: Britischen Truppen sind in der südirakischen Stadt Basra unter heftigen Beschuss von Sadrs Miliz geraten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Basra - Bereits in den Morgenstunden versammelten sich die radikalen Schiiten an mehreren Stellen der Stadt. Dann griffen die Kämpfer von al-Sadrs "Mahdi"-Miliz in großer Zahl an mehreren Stellen an. Bei den heutigen Gefechten wurden nach britischen Militärangaben bislang mindestens zwei Iraker getötet und drei Soldaten verletzt.

Patrouillen wurden unter Beschuss genommen und eine Rakete auf das Hauptquartier der britischen Truppen abgefeuert. Vor dem Gebäude der irakischen Zentralbank kam es zu einem heftigen Feuergefecht, Aufständische besetzten eine Brücke auf dem Weg aus der Stadt nach Süden. Auch der Sitz des Gouverneurs wurde unter Beschuss genommen, britische Truppen übernahmen jedoch die Kontrolle des Gebäudes. Rund 50 britische Militärfahrzeuge umstellten die Zentrale al-Sadrs in Basra.

Auch außerhalb der Stadt Amarah kam es zu Gefechten. Aufständische griffen einen Militärkonvoi an und verletzten zwei britische Soldaten. In mehreren Stadtteilen lieferten sich Truppen und Rebellen Schießereien, nach Angaben von Augenzeugen wurden neun Aufständische und ein Kind getötet.

"Gefangene Soldatinnen könnt ihr als Geschenk behalten"

Die Angriffe von Mitgliedern der Miliz des schiitischen Geistlichen erfolgten einen Tag, nachdem im Freitagsgebet Prämien für die Tötung und Gefangennahme von Besatzungssoldaten ausgesetzt wurden. Al-Sadrs führender Gefolgsmann in Basra, Scheich Abdul Sattar al Bahadli, hatte dies mit den Misshandlungen irakischer Gefangener im Gefängnis Abu Ghraib begründet. Al-Bahadli zeigte gestern Bilder und Dokumente, die beweisen sollen, dass in britisch kontrollierten Gefängnissen drei irakische Frauen vergewaltigt worden seien. Er rief seine Anhänger zum Heiligen Krieg gegen die britischen Truppen in Basra auf. Dort war der Einfluss der al-Sadr-Miliz nach einem Aufstand Anfang April stark zurückgegangen.

"Welche Art von Freiheit und Demokratie können wir von euch erwarten, wenn ihr eine derartige Freude am Foltern irakischer Gefangener habt?", fragte Sadr an die Amerikaner gerichtet. Für die Tötung eines Besatzungssoldaten setzte al-Bahadli 150 und für eine Gefangennahme 350 Dollar aus. Er sagte auch: "Jeder Iraker, der eine Soldatin gefangen nimmt, kann sie als Sklavin oder Geschenk für sich selbst behalten."

Amerikanische Soldaten drangen unterdessen mit Panzern in die Stadt Kerbela ein und blockierten die Straßen zum Imam-Hussein-Schrein im Zentrum. Die meisten Geschäfte in der Stadt waren geschlossen, die Straßen zumeist menschenleer.

Religionsgelehrte fordern Abzug

Rund 500 irakische Religionsgelehrte haben sich heute zu einer Konferenz in Bagdad eingefunden, um ein "gemeinsames Programm für den Widerstand gegen die Besatzung" auszuarbeiten. Die Teilnehmer forderten einhellig den Abzug aller amerikanischer Truppen aus dem Land, berichtete der arabische Nachrichtensender al-Dschasira. Die Initiative für die Konferenz war von der sunnitischen Vereinigung der Islamischen Religionsgelehrten ausgegangen. Unter den Teilnehmern waren aber auch viele Schiiten.

Drei Tote bei Anschlag auf Polizistenfamilie

Bei einem Bombenanschlag auf das Haus eines irakischen Polizisten nördlich von Bagdad wurden unterdessen drei Menschen getötet. Nach Behördenangaben wurde vor dem Haus des Beamten in dem 20 Kilometer nördlich von Bakuba gelegenen Habhab ein Sprengsatz gezündet, der zwei Frauen und einen Mann aus seiner Familie tötete.

In einem weiteren Ort in der Umgebung der sunnitischen Widerstandshochburg gegen die US-Besatzung wurde das Haus des Bürgermeisters angegriffen. Bei dem Schusswechsel in Muktadijah sei ein Polizist verwundet worden, hieß es.

Mehr lesen über