Beirut: General Aouns Rückkehr - DER SPIEGEL
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Beirut General Aouns Rückkehr

14 Jahre war der ehemalige libanesische Machthaber Michel Aoun im Pariser Exil. Nun ist die ehemalige Galionsfigur der Christen im Nahen Osten nach Beirut zurückgekehrt und will sich der Reformbewegung anschließen.
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Beirut - Aoun wurde bei seiner Rückkehr nach Beirut von seinen Anhängern umjubelt. "Hier bin ich wieder, und Libanon ist souverän, frei und unabhängig geworden", sagte der 69-Jährige gestern vor einer Menge von 20.000 Menschen. Unmittelbar vor der Rückkehr Aouns wurde am späten Freitagabend ein Anschlag in einer überwiegend von Christen bewohnten Stadt verübt. Nach Polizeiangaben wurden bei der Explosion neben einer Kirche und einem christlichen Rundfunksender in Dschunieh zwei Dutzend Menschen von umherfliegenden Glassplittern verletzt.

Innenminister Hassan Sabei sagte bei einer Besichtigung der Schäden, der Anschlag werde Libanon nicht auf dem am 14. März begonnenen Marsch in die nationale Einheit abbringen. An dem Tag fand eine Großdemonstration gegen die syrische Militärpräsenz statt; die syrischen Truppen sind inzwischen abgezogen. Auch Staatspräsident Emile Lahoud brachte den Anschlag in Dschunieh mit der Rückkehr Aouns in Verbindung.

Aoun hat angekündigt, er wolle sich einer Reformbewegung in seinem Heimatland anschließen. Er schließe nicht aus, sich um ein politisches Amt zu bewerben, sagte Aoun im französischen Rundfunk. Er schloss auch nicht aus, mit der militanten Hisbollah-Organisation zusammenzuarbeiten. "Das sind ehrliche, offene Leute(...), die sich leicht an ein Reformvorhaben halten können", sagte der 69-Jährige. Falls man sich in einigen Fragen einigen könne, könne er sich eine Zusammenarbeit mit der Hisbollah bereits für die bevorstehenden Parlamentswahlen am 29. Mai vorstellen.

Aoun war 1984 mit 49 Jahren der jüngste Oberkommandierende der libanesischen Streitkräfte geworden. 1988 wurde er zum Übergangs-Ministerpräsidenten ernannt. Er führte einen "Befreiungskrieg gegen Syrien", wurde aber 1990 von den Syrern aus dem Amt gejagt und flüchtete in die französische Botschaft. Ende August 1991 brachten ihn französische Geheimagenten nach Paris ins Exil. Ihm wurde zudem vorgeworfen, Regierungsgeld veruntreut sowie die Beziehungen des Libanons zu Syrien belastet zu haben. Ein Ermittlungsrichter befand nun, Aoun profitiere von einer Amnestie, und sprach ihn in den meisten Punkten frei. Wie es hieß, sollten auch die übrigen Vorwürfen fallen gelassen werden.

Die syrischen Truppen schlossen ihren Abzug aus dem Libanon am 26. April ab. Damit reagierte der syrische Staatspräsident Baschar Assad auf internationalen Druck und wachsende Proteste im Libanon. Auslöser war der Mordanschlag auf den früheren libanesischen Regierungschef Rafik Hariri am 14. Februar. Die Opposition beschuldigte die Regierung in Damaskus, für das Attentat auf Hariri verantwortlich zu sein, der für einen Abzug der Syrer eintrat.

Syrien nennt US-Sanktionen unlogisch

Syrien hat mit Unverständnis auf die Verlängerung der US-Sanktionen reagiert. Der syrische Finanzminister Mohammed al-Hussein sagte in Damaskus, die Sanktionen seien "unfair und unlogisch". Sein Land werde seine Anstrengungen indes verstärken, Reformen in der Wirtschaft und auf anderen Gebieten voranzubringen.

US-Präsident George W. Bush hatte die im vergangenen Jahr gegen Syrien verhängten Sanktionen jüngst um ein weiteres Jahr verlängert. Als die Strafmaßnahmen am 11. Mai 2004 verhängt wurden, hatte Bush dies damit begründet, dass Syrien den Terrorismus unterstütze, nach Massenvernichtungswaffen strebe, die Versuche untergrabe, den Irak zu stabilisieren, und weiter den Libanon besetzt halte.