Belgrad Panzer beziehen Stellung
Belgrad - Schwarzer Rauch war zu sehen, aufgebrachte Demonstranten warfen Bilder von Präsident Slobodan Milosevic aus dem Parlamentsgebäude. Während einer Massendemonstration von mehreren hunderttausend Menschen gegen Milosevic hatten die Regimegegner das Gebäude im Zentrum von Belgrad gestürmt. Sie benutzten dabei eine Planierraupe. Es kam zu massiven Zusammenstößen mit der Polizei, die Tränengas und Blendgranaten einsetzte. Auch von Schüssen wurde berichtet. Dutzende von Menschen wurden Augenzeugen zufolge verletzt.
In den Straßen der Umgebung lieferten sich Demonstranten und Polizisten heftige Kämpfe. Mehrere Polizeiwagen gingen in Flammen auf. Oppositionsführer Vojislav Kostunica will sich aus dem Parlamentsgebäude heraus an die Menge wenden. Das teilte ein Sprecher des Oppositionsbündnisses mit.
Ein Teil der Demonstranten versuchte außerdem, das zentrale Studio des staatlichen Fernsehens zu stürmen. Die Menge wurde jedoch von einer Tränengaswolke zurückgedrängt. Auch Schüsse wurden gemeldet. Nach Angaben der Opposition ergaben sich im Laufe der Auseinandersetzungen 70 Polizisten.
Den ganzen Tag über waren zehntausende Demonstranten aus allen Teilen des Landes in einem Sternmarsch nach Belgrad gezogen, um die ultimative Forderung nach einem Rücktritt Milosevics bis Donnerstag, 15 Uhr, zu unterstützen.
Die Redakteure und Angestellten des amtlichen serbischen Staatsfernsehens RTS hatten zuvor einen Streik ausgerufen, mit dem sie eine objektive Berichterstattung erzwingen wollen. Dem Streikaufruf schlossen sich zunächst etwa 1500 der insgesamt 7500 Angestellten an, meldete die Nachrichtenagentur Beta.
Mehr als 100 RTS-Mitarbeiter wurden bereits entlassen, weil sie seit Tagen im Streik sind. Auch die Journalisten der regimetreuen Belgrader Zeitung "Politika" hatten für Donnerstag eine Abstimmung über einen Streik zur Änderung der redaktionellen Politik angekündigt.