Berlin Verschiebt Putin seinen Schröder-Besuch?
Moskau/Berlin - Nach der bisherigen Planung will Bundeskanzler Gerhard Schröder am Donnerstag um 8.20 Uhr in Berlin mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammentreffen. Im Bundespresseamt war am späten Mittwochabend noch keine Absage bekannt, allerdings ist damit zu rechnen, dass Putin wegen der Geiselnahme in einem Moskauer Musiktheater den Besuch absagt. Denn am späten Abend hatte sich der russische Präsident zu Krisensitzungen im Kreml zurückgezogen.
Bei dem gut einstündigen Treffen auf dem Flughafen Berlin-Tegel wollen Schröder und Putin eigentlich die Irak-Krise und eine Reihe anderer internationaler Themen erörtern, darunter den vereinfachten Zugang nach Kaliningrad. Gegen 9.30 Uhr ist bislang auch eine Pressekonferenz geplant.
Der russische Präsident wäre nach dem jordanischen König Abdullah II. das zweite ausländische Staatsoberhaupt, das Schröder nach seiner Wiederwahl trifft.
Umstrittener Kaliningrad-Zugang
Die scheidende stellvertretende Regierungssprecherin Charima Reinhardt hatte am Montag erklärt, der Besuch nur zwei Tage nach der Wahl des Bundeskanzlers zeige "den guten Stand der deutsch-russischen Beziehungen". Putin wollte nach seinem Zwischenstopp in Berlin nach Lissabon fliegen, wo ein eintägiger Arbeitsbesuch auf dem Programm steht. Schröder reist im Anschluss zum EU-Gipfel nach Brüssel, der auch die Kaliningrad-Frage behandeln wird.
Die EU hat Moskau ein Kompromissangebot gemacht und will eine vereinfachte Visapraxis beim direkten Zugverkehr durch Litauen prüfen. Nach dem EU-Beitritt von Litauen und Polen im Jahr 2004 wird die Region um das ehemals deutsche Königsberg vollständig von der Europäischen Union umgeben sein.