Berlusconi und Schröder "Deutschland ist unser wichtigstes Partnerland"
Verona - Bundeskanzler Gerhard Schröder und der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi waren am Samstagvormittag in Verona zu ihrem lange erwarteten Gespräch zusammengetroffen. Nach dem gemeinsamen Frühstück verteidigte der italienische Ministerpräsident seine Absage des gemeinsamen Opernbesuchs mit dem Bundeskanzler in Verona. "Wenn ich nach Verona gekommen wäre, hätte es die Opernaufführung vermutlich nicht gegeben", sagte er mit Blick auf angekündigte Demonstrationen linker Berlusconi-Gegner.
"Schröder ist in Italien immer willkommen, auch wenn er einmal nicht mehr Kanzler ist", fügte Berlusconi am Samstag vor Journalisten in Verona hinzu. Die beiden Politiker trafen sich erstmals seit der Verstimmung zwischen beiden Ländern im Juli.
Deutschland und Italien setzen sich für eine reibungslose und zügige Debatte um die künftige EU-Verfassung ein. Die Diskussion solle möglichst zum Jahresende zum Abschluss kommen, sagten Bundeskanzler Gerhard Schröder und der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi nach dem Gespräch am Samstag in Verona.
Es solle "allenfalls eins, zwei oder drei Änderungen geben", meinte Berlusconi. Schröder äußerte die Hoffnung, dass der vorliegende Vertragsentwurf "ohne Änderungen verabschiedet wird".
Berlusconi hatte vom Vorabend kurzfristig einen gemeinsamen Besuch der Oper "Carmen" mit Schröder abgesagt, weil er Demonstrationen gegen seine Person befürchtete.
Die italienische Opposition und Zeitungskommentare kritisierten die Absage des gemeinsamen Opernbesuchs am Freitagabend. Die römische Zeitung "La Repubblica" sprach von einer "Ohrfeige von Verona". Deutsche Regierungskreise kommentierten das überraschende Fernbleiben Berlusconis offiziell nicht
Schröder hatte sich am Abend gemeinsam mit EU-Präsident Romano Prodi die Oper "Carmen" in der weltberühmten Arena von Verona angesehen. Mit Prodi traf Schröder bereits am Freitagnachmittag zusammen. Dabei wollte Schröder auch den Streit zwischen der EU-Kommission und Deutschland wegen der Einführung der Lkw-Maut auf Autobahnen angesprechen.
Über seine Beziehung zur Berlusconi sagte Schröder: "Man muss sich ja nicht lieben, es reicht ja, wenn man sich respektiert." Die "ernsthafte Auseinandersetzung" zwischen Deutschland und Italien zu Beginn des Sommers habe die persönliche Beziehung zum italienischen Ministerpräsidenten nicht belastet.
Der Kanzler versicherte der italienischen Regierung, alles zu tun, dass ihre EU-Präsidentschaft ein Erfolg wird. Er würde es "für gut halten", wenn die EU-Verfassung in Rom unterschrieben wird. Für die künftige EU-Verfassung gab Schröder den Rat, den "Kompromiss so zu nehmen, wie er ist". Er warnte davor, die Absprachen wieder in Frage zu stellen, auch wenn es inzwischen mehrere Stellungnahmen gebe, die mit dem Entwurf nicht zufrieden seien. Wer das Paket einmal auflöse, bekomme es nicht mehr zusammen.