Betlehem: Kämpfe an der Krippe - DER SPIEGEL
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Betlehem Kämpfe an der Krippe

In dem Ort, in dem einst Jesus von Nazareth geboren worden sein soll, halten sich rund 200 militante Palästinenser verschanzt. Vor der Geburtskirche in Betlehem sind israelische Panzer aufgefahren.
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Jerusalem - "Sie haben beschlossen, die Kirche als sicheren Hafen zu benutzen", sagte am Mittwoch ein Journalist des italienischen Nachrichtensenders Rai. Er ist mit fünf Kollegen auf dem Areal um die Geburtskirche, die zu den heiligsten Stätten der Christen zählt, eingeschlossen. Der Journalist sagte, die italienische Botschaft habe die Genehmigung erhalten, ihn und seine großenteils ebenfalls aus Italien stammenden Kollegen mit gepanzerten Fahrzeugen an der Kirche abzuholen.

Bei den in der Kirche verschanzten Männern soll es sich um uniformierte Polizisten und um Milizionäre handeln. Sie sollen die Priester in der Kirche gezwungen haben, ihnen Asyl zu gewähren. Die israelische Armee war am Dienstag nach Betlehem eingedrungen. Dabei hatte es heftige Gefechte mit Palästinensern gegeben.

Die israelische Armeeführung erklärte, sie habe den Soldaten den Befehl gegeben, nicht auf die Kirche zu schießen. Dennoch wurden vor der Geburtskirche in Betlehem am Dienstagabend die Leichen von fünf erschossenen Mitgliedern der Al-Aksa-Märtyrer-Brigade gefunden. Über die näheren Umstände des Todes der Männer wurde nichts bekannt. Israelische Soldaten attackierten offenbar eine andere Kirche in Bethlehem. Dabei wurde offenbar ein Priester getötet. Sechs Nonnen sollen verwundet worden sein. Einige befänden sich in kritischem Zustand, hieß es. Nach Angaben der israelischen Zeitung "Haaretz" hat der Vatikan inzwischen dementiert, dass der Priester und die Nonnen zu Schaden kamen.

Bei Ramallah ergaben sich unterdessen fast alle der 400 in einem Gebäude der palästinensischen Sicherheitskräfte verschanzten Männer. Europäische und amerikanische Diplomaten hatten ihre Aufgabe ausgehandelt. In Ramallah dauerten die Hausdurchsuchungen weiter an. Nach israelischen Angaben wurden seit Freitag 700 Verdächtige festgenommen.

Der palästinensische Planungsminister Nabil Schaath rief Ägypten und Jordanien auf, ihre Friedensverträge mit Israel aufzukündigen. Er habe so etwas noch nie gefordert, sagt Schaath, weil ja auch die Palästinenser Beziehungen zu Israel wollten. Aber Israel habe jetzt jede Chance auf einen Frieden zerstört. Die Arabische Liga hat für Mittwoch eine Dringlichkeitssitzung einberufen. Auch die EU-Außenminister wollen am Mittwoch über die Lage in Nahost beraten.

US-Präsident George W. Bush hat am Dienstag seine Vision eines palästinensischen Staates bekräftigt. Er hoffe, dass die Palästinenser "ihren eigenen friedlichen Staat" erreichten und Israel normale Beziehungen mit seinen Nachbarn pflegen könnte, sagte er. Im US-Fernsehen sprach sich Außenminister Colin Powell dagegen aus, dass Arafat, wie von Israels Premier Ariel Scharon gefordert, ins Exil geht. Er spiele weiter eine wichtige Rolle im Friedensprozess. US-Bürger wurden aufgefordert, Jerusalem und das Westjordanland aus Sicherheitsgründen zu verlassen.

Israelische Truppen sind am Mittwochmorgen mit Panzern in die Städte Salfeet und Dschenin im Westjordanland eingerückt, wie Augenzeugen berichteten. Dschenin gilt als Hochburg militanter Gruppen wie der Al-Aksa-Brigaden. Etliche Selbstmordattentäter stammten aus der Stadt im Norden des Westjordanlands. Wie es hieß, rollten rund 30 Panzer vom Norden her in die Stadt. Es sei zu Feuergefechten am Ortseingang und in einem Flüchtlingslager in der Stadt gekommen. In Salfeet kam es ersten Berichten zufolge nicht zu Zusammenstößen.

An einem israelischen Straßenkontrollposten an der Grenze zwischen dem Westjordanland und Israel sprengte sich am Dienstagabend ein Palästinenser in die Luft. Die Sicherheitskräfte hatten nach Militärangaben den Fußgänger angehalten und zu durchsuchen begonnen. Der Mann wurde den Angaben zufolge bei der Explosion getötet, verletzt wurde sonst niemand.

Es war bereits der siebte Sprengstoffanschlag binnen sieben Tagen. Am Montagabend sprengte sich ein Palästinenser in Westjerusalem an einem Kontrollposten nahe der Altstadt in die Luft und riss auch einen israelischen Polizisten mit in den Tod. Die Zahl der Toten bei dem Selbstmordanschlag in einem Hotel in Netanja stieg unterdessen um drei auf 25. Es war damit der bislang folgenschwerste in dem seit 18 Monaten anhaltenden Aufstand der Palästinenser.

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