Blutvergießen in Syrien Rotes Kreuz verhandelt über Waffenstillstand
Bewohner von Homs suchen Schutz (Archivbild): Wochenlange Belagerung
Foto: STRINGER/ REUTERSDamaskus/Istanbul - Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) setzt sich für einen Waffenstillstand zwischen dem syrischen Regime und der Opposition ein. Ein Sprecher der Organisation in Damaskus sagte dem arabischen Nachrichtensender al-Dschasira, das Rote Kreuz sondiere mehrere Möglichkeiten, um humanitäre Hilfe leisten zu können.
Dabei gehe es auch um ein Ende der Kämpfe in den am schwersten betroffenen Gebieten, damit das Rote Kreuz und der Rote Halbmond schnell helfen könnten. In Genf bestätigte IKRK-Sprecher Bijan Farnoudi nach Angaben des US-Senders CNN die Verhandlungen.
Russland forderte angesichts der andauernden Gewalt in Syrien einen Uno-Sondergesandten für das Land. Es sei dringend humanitäre Hilfe für Syrien notwendig, sagte der Sprecher des russischen Außenministeriums am Dienstag in Moskau. Ein Sondergesandter solle in Zusammenarbeit mit der Führung in Damaskus und allen Beteiligten die Sicherheit der Transporte gewährleisten. Moskau hatte neben Peking im Sicherheitsrat gegen eine Syrien-Resolution zur Verurteilung der Gewalt in dem Land durch ein Veto blockiert.
Nun will Russland zudem in den kommenden Tagen im Uno-Sicherheitsrat einen Entwurf für humanitäre Hilfsmöglichkeiten in Syrien einbringen. Das kündigte der Uno-Botschafter Witalij Tschurkin an. Er sagte dem Fernsehsender Vesti 24, dass der Sicherheitsrat "konkrete Schritte zur Lösung humanitärer Probleme unternehmen könnte." Dabei könne man sich unter anderem darauf verlassen, dass Damaskus dem Roten Kreuz Zugang zu einigen Gebieten im Land gewährt habe, sagte er weiter. Einzelheiten über den Entwurf nannte er nicht.
Am Treffen der "Gruppe der Freunde Syriens" an diesem Freitag in Tunesien wird Russland jedoch nicht teilnehmen, hieß es in der im Internet veröffentlichten Stellungnahme des Außenministeriums. Russland kritisiert, dass dem Vernehmen nach nur Vertreter der Opposition, aber keine syrischen Regierungsvertreter eingeladen seien. Damit bleibe ein großer Teil der syrischen Bevölkerung außen vor.
Zu der "Konferenz der Freunde des syrischen Volks" sind unter anderem Vertreter der Arabischen Liga, der EU, der USA, Russlands und Chinas geladen. Gesucht werden soll nach einer politischen Lösung des blutigen Konflikts in Syrien mit laut Aktivisten bisher mehr als 6000 Toten.
Armee beschießt Viertel von Homs mit Granaten
Am Dienstag beschoss die syrische Armee das seit Wochen belagerte Viertel Baba Amr der Stadt Homs erneut mit Granaten, berichteten Aktivisten, die Live-Bilder von der Attacke an arabische TV-Sender schickten. Mindestens zehn Menschen sollen getötet worden sein, darunter zwei Kinder. Dutzende weitere Bewohner seien verletzt worden, hieß es.
Baba Amr gilt als Hochburg der Protestbewegung, die für den Sturz von Präsident Baschar al-Assad kämpft. Aufgrund der Restriktionen des Regimes ist SPIEGEL ONLINE eine unabhängige Berichterstattung aus Syrien nicht möglich.
Die syrischen Sicherheitskräfte nehmen Homs seit dem 4. Februar unter Feuer, um die Aufstände in der Stadt zu ersticken. Die Regierung verstärkte den Druck auf die Rebellenhochburg noch einmal: Drei weitere Kolonnen der Streitkräfte sollen samt Panzern offenbar in die Stadt verlegt werden, berichten Oppositionsaktivisten.
Auch auf den Straßen von Damaskus verstärken die Regimetruppen ihre Präsenz. Sie wollen verhindern, dass sich der Aufstand gegen das Regime auf die Hautstadt ausweitet. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten nahmen Angehörige der Sicherheitskräfte am Montag in einer Handelsschule im Stadtteil Baramke mehrere Schüler fest.
Scharfe Munition gegen Demonstranten in Damaskus
Ein Regimegegner in Damaskus sagte der Nachrichtenagentur dpa am Telefon, vor Regierungsgebäuden seien zahlreiche Soldaten postiert worden. In den Vierteln Messe und Kafr Susa seien Straßensperren errichtet worden. In der Hauptstadt war in den ersten Monaten der Proteste gegen Präsident Assad relativ ruhig geblieben - das ändert sich jetzt allmählich, auch hier beginnen die Menschen auf den Straßen gegen das Regime zu protestieren.
Menschenrechtler berichteten am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters, dass syrische Sicherheitskräfte mit scharfer Munition auf Demonstranten in Damaskus geschossen hätten. Vier Menschen sollen dabei verletzt worden sein.