Bolivien Krawalle vor Parlament
La Paz - Trotz des Großaufgebots der Polizei, die Tränengas einsetzte, gelang es nur wenigen Abgeordneten, in das Parlamentsgebäude im Zentrum der Hauptstadt La Paz zu gelangen. Für eine Sitzung müssen mindestens die Hälfte der 157 Parlamentarier anwesend sein.
Die Demonstranten versperrten fast alle Straßen im Zentrum von La Paz und forderten die Einberufung einer verfassungsgebenden Versammlung sowie die Verstaatlichung der immensen Erdgasreserven des verarmten Landes. Regierungsminister Saúl Lara widersprach Berichten, die Lage sei außer Kontrolle.
Das Parlament wollte über Autonomiebestrebungen der wohlhabenden Provinzen wie Santa Cruz beraten, in denen das Erdgas von multinationalen Konzernen gefördert wird. Santa Cruz hat für August ein Referendum über eine Autonomie angesetzt und wird von den Provinzen Beni, Pando und Tarija unterstützt. Hintergrund ist ein seit Jahren schwelender Konflikt zwischen dem armen Westen des Landes und dem wohlhabenderen Osten.
Die überwiegend armen Indio-Bauern auf der westlichen Hochebene um La Paz sowie Lehrer, Rentner und Koka-Bauern fordern, dass die Erträge aus der Erdgasförderung endlich weiten Teilen des Volkes zugute kommen sollen. "Nieder mit den Multis", skandierten die Demonstranten.
Für die kommenden Tage wurden weitere Demonstrationen, Streiks und Straßenblockaden angekündigt.