Bolivien: Präsident beruft Indianer ins Kabinett - DER SPIEGEL
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Bolivien Präsident beruft Indianer ins Kabinett

Der neue bolivianische Präsident Carlos Mesa hat ein Kabinett mit 16 Fachleuten gebildet, die von Parteien unabhängig sind. Sie sollen das schwer gebeutelte Land stabilisieren. Im Kabinett sitzt nun auch ein Indianer.
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La Paz - Bei der Vereidigung sprach Mesa seinen Ministern ins Gewissen: "Jeder Fehler könnte das Land in den Abgrund führen", warnte er. Nicht ohne Grund. Nach wochenlangen Protesten ist die Lage in dem südamerikanischen Land weiterhin angespannt.

Wie angekündigt handelt es sich bei der Mehrheit der von Mesa berufenen 15 Minister um wenig bekannte Wirtschaftsfachleute und Intellektuelle. Der Präsident hat damit ein von den Parteien unabhängiges Kabinett von Fachleuten gebildet, das sich die Überwindung von Armut und sozialer Ungleichheit zur Aufgabe machen soll. Mesa schuf ein neues Ministerium für Ethnische Angelegenheiten, dem der Indianer Justo Seoane vorstehen wird. Ein 16. Minister für den Bergbau muss noch ernannt werden.

Der neue Präsident ist der Nachfolger von Gonzalo Sanchez de Lozada, der am Freitag zurückgetreten und in die USA ausgereist war. Er hatte seinen Rücktritt eingereicht, nachdem die Regierung mit dem Rückzug des Koalitionspartners Neue Republikanische Kraft eine weitere Schlappe erlitten hatte.

Das Leben in La Paz und anderen Städten des Andenstaates normalisierte sich weiter. Mitte September waren bei Zusammenstößen von aufständischen Bergarbeitern und Bauern mit Polizei und Armee nach Angaben von Menschenrechtlern 65 Menschen ums Leben gekommen. Am Montag öffneten Schulen, Restaurants und Geschäfte wieder. Ursache der Proteste war die strikt marktwirtschaftliche Politik von Sanchez de Lozada, durch die sich die Kluft zwischen armen und wohlhabenden Bevölkerungsteilen vertieft hatte.

Der politisch unabhängige Mesa distanzierte sich schon vor einer Woche von der Politik des Präsidenten und kündigte eine vorgezogene Wahl an. Seine Entscheidung, Personen jenseits des politischen Establishments ins Kabinett zu berufen, ist umstritten. Es wird befürchtet, die neue Regierung werde am Widerstand der Parteien scheitern. Auf Misstrauen stieß die Ernennung von Juan Ignacio Siles zum Außenminister. Siles ist der Neffe von Jaime del Valle, der unter dem früheren chilenischen Diktator Augusto Pinochet als Außenminister diente.