Libanon Bombenattentat in Beirut galt offenbar Polizei-Geheimdienstchef
Libanon: Bombenattentat in Beirut galt offenbar Polizei-Geheimdienstchef
Foto: STRINGER/ REUTERSBeirut - Bei einem Sprengstoffanschlag in der libanesischen Hauptstadt Beirut sind acht Menschen ums Leben gekommen. Die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete, 78 Menschen seien durch die Explosion auf dem Sassine-Platz im Christenbezirk Aschrafija verletzt worden. Die Fassaden mehrerer Häuser wurden durch die Wucht der Detonation zerstört. Mehrere Fahrzeuge brannten aus.
Bei dem Anschlag soll auch der hochrangige libanesische Sicherheitsbeamte, Brigadegeneral Wissam al-Hassan, gestorben sein, das berichteten mehrere Nachrichtenagenturen. Ein Polizeisprecher sagte lediglich, Hassan sei Ziel des Anschlags gewesen, ob er noch lebe, sei unklar.
Hassan war ein Vertrauter des libanesischen Oppositionschefs Saad Hariri, der der syrischen Führung von Präsident Baschar al-Assad feindlich gegenübersteht. Hassan, der die Geheimpolizei befehligt, soll hinter der Festnahme des prosyrischen Ex-Ministers Michel Samaha stecken. Samaha wird der Prozess gemacht, weil er 20 große Sprengsätze ins Land geschmuggelt haben soll. Hassan galt auch als Vertrauter des früheren libanesischen Regierungschef Rafik al-Hariri, der 2005 bei einem Bombenattentat starb.
Die Explosion ereignete sich dem Bericht zufolge in der Hauptverkehrszeit gegen 14 Uhr in einer engen Straße in der Nähe des Sassine-Platzes. Nach Angaben des Generalstaatsanwalts Hatem Madi wurde das mit Sprengstoff beladene Auto "Dutzende Meter weit" geschleudert. Ermittler sagten, die Sprengladung sei 30 Kilogramm schwer gewesen.
Der Libanon war bereits zwischen 2004 und 2008 von einer Serie von Sprengstoffanschlägen erschüttert worden. Schon damals kam der Verdacht auf, das Regime des syrischen Präsidenten Assad könnte an der Planung der Attentate beteiligt gewesen sein. Als Folge des Anschlags auf Hariri hatte Syrien seine letzten Truppen aus dem Nachbarland abziehen müssen. Präsident Assad warnt seit Beginn des Aufstands in Syrien vor einem Flächenbrand, der bald die ganze Region erfassen werde.
Die syrische Regierung wies jede Verantwortung von sich. Schon wenige Minuten nach dem Anschlag im Nachbarland veröffentlichten die staatlichen syrischen Medien eine Stellungnahme von Informationsminister Umran al-Suabi. Dieser verurteilte den Anschlag als "feigen Akt des Terrorismus".
Am Freitagabend gingen in Tarik el Dscheide sunnitische Demonstranten auf die Straße und steckten Autoreifen in Brand. Auch in anderen Teilen von Beirut kam es zu solchen Straßensperren. Insgesamt wagten sich jedoch nur wenige auf die Straße. Viele Cafés und Bars blieben leer.
Die libanesische Opposition erhob heftige Vorwürfe gegen das syrische Regime. "Wer Wissam Hassan umgebracht hat, ist glasklar. Baschar al-Assad!", sagte Saad Hariri, Sohn des 2005 ermordeten Syrien-kritischen Politikers Rafik Hariri im libanesischen Fernsehsender Future TV. Hariri bezeichnete den getöteten Hassan als Freund seiner Familie. Saad Hariri hält sich aus Sorge vor Anschlägen kaum noch im Libanon auf. Für Samstag wurde ein Tag nationaler Trauer ausgerufen.