Botschaftsschule Flüchtlinge hoffen auf Südkorea
Peking - Die Nordkoreaner waren am Dienstagnachmittag auf ein nur durch einen privaten Wachdienst abgeschirmtes Gelände geflüchtet, auf dem sich ein Wohnhaus für Diplomaten und die Deutschen Botschaftsschule befinden. Sie übernachteten in der Turnhalle. Die rund 240 Schüler hatten schulfrei. Auch der Kindergarten blieb für seine rund 40 kleinen Besucher geschlossen.
Die Nordkoreaner hatten sich bereits mehrere Tage in Peking aufgehalten und auf der Straße übernachtet. Ursprünglich wollten sie sich mit einer anderen Gruppe treffen, die aber von der chinesischen Polizei abgefangen wurde. Dies berichtete der deutsche Arzt Norbert Vollertsen, der sich in Seoul für die Belange der Flüchtlinge einsetzt.
Das Polizeiaufgebot vor dem Gebäude in der Nähe des Lufthansa-Centers und des Kempinski-Hotels war deutlich kleiner als gestern. Unklar ist allerdings, wie lange sich die Gespräche mit den chinesischen Behörden hinziehen werden. Da die Bundesrepublik und China im Oktober den 30. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen feiern, dürfte auch Peking daran interessiert sein, die Angelegenheit schnell zu lösen, heißt es in der chinesischen Hauptstadt.
Peking bestand in der Vergangenheit darauf, die Identität der Flüchtlinge zu erfahren. Es will sichergehen, dass keiner auf chinesischem Territorium straffällig geworden ist. Die chinesischen Behörden haben in den letzten Monaten rund 80 von ihnen meist über Drittländer ausreisen lassen. Die philippinische Regierung signalisierte am Mittwoch ihre Bereitschaft, 21 Nordkoreaner, die seit einiger Zeit in der südkoreanischen Mission Zuflucht gesucht hatten, über Manila nach Seoul fliegen zu lassen.
Für die Deutschen ist dies schon der dritte Flüchtlingsfall. Nachdem bereits Ende April ein Nordkoreaner über die Mauer der Berliner Botschaft geklettert war, gelang es im August einer Landsmännin, auf das streng bewachte Gelände zu kommen. Sie musste zehn Tage in einer Wohnung des zum Bundesgrenzschutz gehörenden "Hausordnungsdienstes" ausharren, bis die Chinesen ihr die Ausreise in Richtung Seoul erlaubten, erfuhr SPIEGEL ONLINE. Auswärtiges Amt und Botschaft haben den Fall bislang geheim gehalten.