Österreichs Finanzminister zum Brexit "Großbritannien wird auch in Zukunft Mitglied bleiben"
Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling
Foto: HEINZ-PETER BADER/ REUTERSDie Abstimmung in Großbritannien über den Brexit war nach Ansicht des Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des Europäischen Parlaments, Elmar Brok, nur "ein beratendes Referendum". Es sei für die britische Regierung nicht bindend, sagte der Europa-Politiker der Online-Ausgabe der "Passauer Neuen Presse". Großbritannien müsse sich jetzt entscheiden, ob es austreten wolle oder nicht.
Den Wortführern des Brexit, Nigel Farage und Boris Johnson, warf der CDU-Politiker Verantwortungslosigkeit vor. "Ob Farage oder Johnson, das sind Zerstörer, von Eitelkeit getrieben". Diese Leute seien nicht bereit, die Konsequenzen des Referendums mitzutragen und an einer Lösung zu arbeiten. "Sie schaden ihrem Land, um sich selbst zu profilieren", sagte Brok. Beider Rückzug nach der Entscheidung "macht einmal mehr deutlich, wie fragwürdig die ganze Brexit-Kampagne war".
Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling glaubt nicht, dass es überhaupt zu einem Brexit kommen wird. "Großbritannien wird auch in Zukunft Mitglied bleiben", sagte der ÖVP-Politiker dem "Handelsblatt" . "Auch in fünf Jahren werden es noch 28 Mitgliedstaaten sein." Laut Schelling könnte ein anderes Modell ein "Teil-Brexit" sein. "Das heißt, nur England tritt aus der EU aus und Schottland sowie Nordirland bleiben weiterhin EU-Mitglieder", sagte der Minister.
Auf die Beitrittsperspektive der Balkan-Staaten soll das Brexit-Referendum keinen Einfluss haben. "Das hatten die Länder befürchtet", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ähnlich äußerten sich auch Frankreichs Präsident François Hollande und der kroatische Ministerpräsident Tihomir Oreskovic.
Britische Firmen blicken pessimistischer in die Zukunft. Die Stimmung bei den Unternehmen verschlechterte sich nach dem Brexit-Votum massiv. Bei der jüngsten Umfrage der Forschungsinstitute YouGov und des "Centre for Economics and Business Research" gaben 49 Prozent an, den allgemeinen wirtschaftlichen Ausblick für die nächsten zwölf Monate pessimistisch zu betrachten. Vor dem Referendum waren nur 25 Prozent dieser Ansicht. Insgesamt wurden 1000 britische Unternehmen befragt. Mehr als ein Viertel sahen für ihre eigenen Geschäftsaussichten schwarz - vor dem Referendum waren es nur 16 Prozent gewesen.