Briefe aus der US-Gefangenschaft: "Dies ist die härteste Prüfung" - DER SPIEGEL
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Briefe aus der US-Gefangenschaft "Dies ist die härteste Prüfung"

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Moazzam Begg war als al-Qaida-Verdächtiger von Februar 2002 bis Februar 2003 US-Gefangener in Bagram bei Kabul. In dieser Zeit gebar seine Frau Sally ihr viertes Kind. Es ist heute eineinhalb Jahre alt. Begg hat es noch nie gesehen. Seit Februar 2003 ist er auf Guantanamo Bay inhaftiert. SPIEGEL ONLINE liegen Briefe vor, die Begg an seine Familie nach Birmingham, England, gesandt hat.

29. Mai 2002, ein Brief an die Eltern: "(...) Mir geht es gut, und ich werde ordentlich behandelt. Essen, Wasser, Kleidung und der Koran lässt man uns zukommen. Demnächst werde ich den ganzen Koran zum siebten Mal gelesen haben, viele Kapitel kann ich auswendig, Allah sei gelobt. Die Tage ziehen sich hin, aber mein Englisch war extrem hilfreich (...) Dies ist die härteste Prüfung, der ich in meinem Leben bisher ausgesetzt war. Ich hoffe, ich habe Euch nicht zu viel Ärger bereitet. Doch ich werde diesen Test bestehen durch den Willen Allahs und Eure Gebete."

7. August 2002: "To Dad, Friede sei mit Dir (...) Ich weiß nicht, ob Du und Sally alle Briefe bekommen habt, die ich geschrieben habe. Die letzten habe ich Ende Juni geschrieben, zu einer Zeit, da ich bereits von der Geburt Ibrahims erfahren habe. Dies hat mich extrem glücklich gemacht. Ich habe die Fotos bekommen und bete für den Tag, an dem ich Euch alle sehen kann. Ich werde ganz gut behandelt, obwohl es sehr schwer ist, damit umzugehen, dass ich schon so lange hier bin."

Am 16. November 2002 schreibt Moazzam: "An Vater, heute ist der erste Tag des Ramadan, und es geht den Umständen entsprechend gut. Für unser Essen ist nun gesorgt. Wir bekommen es am Abend. Weil es schon ziemlich kühl geworden ist, haben wir warme Thermo-Unterwäsche bekommen. Die Langeweile hier ist enorm. Mehr als sieben Monate lang war ich nicht an der Sonne, außer einmal für etwa zwei Minuten. Ich wünsche Dir alles gute für den gesegneten Ramadan ..., Dein Sohn Moazzam."

Wissend um die gesundheitlichen Probleme des Vaters, dem die Gefangenschaft des Sohnes zusetzt, schreibt Moazzam am 2. Dezember 2002: "Liebe Eltern, lasst mich wissen, wie es um Vaters Gesundheit steht. Lasst mich nicht die Ursache für irgendwelche Sorgen sein - mir geht es gut - zu wissen, dass es meiner ganzen Familie gut geht, macht mich glücklich und die Dinge einfacher. (...) Bitte kümmert Euch darum, dass ... jede Woche mit Dad und den Zwillingen schwimmen gehen kann. (...) Ich habe einen Brief an ... geschrieben (...) Ich habe ihn gefragt, ob er einen Computer für die Kinder kaufen kann (...)

Am 2. Dezember 2002 schickt Moazzam auch einen Brief an einen seiner vier Brüder, der übergewichtig ist: "Bitte unterstütze meine Kinder (deine Neffen) so viel Du kannst (...) Zum Beispiel lies mit ihnen, Schreiben, Mathe, Geographie und alles andere Gute - wie etwa zum Schwimmen zu gehen. Aber gehe sicher, dass Du ihnen nicht beibringst wie man zu viel isst!! Ich bin sicher, Du weißt, was ich meine."

Januar 2003: "Liebe Eltern, ich habe die letzten Monate viel gelesen (45 Bücher oder so), grade erst über den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und den Bürgerkrieg. Neulich habe ich mit jemandem über den amerikanischen Beitrag zur Zivilisation diskutiert (nachdem wir über das alte Griechenland, Ägypten, Mesopotamien, Indien und China gesprochen hatten). Ich dachte mehrere Stunden darüber nach, bevor ich antwortete: Erdnussbutter (die kremige und kernige). Mein Gesprächspartner war nicht sehr erfreut über mein Ergebnis stundenlangen Grübelns. Ich bekomme das jetzt hin und wieder und es schmeckt einigermaßen gut. Salam und Liebe an Euch alle, Moazzam."

Seit Februar 2003 ist Begg in Guantanamo. Von dort schreibt er im März 2003: "Lieber Vater, mir geht es gut. Ich versuche so geduldig wie möglich zu sein, um meine Verzweiflung zu überwinden. Dieser Tage habe ich den Eindruck, die Dinge laufen etwas besser. Meistens beschäftige ich mich mit denselben Dingen: Sport, Unterhaltungen, Gebete und Schlafen. Dein Sohn, Moazzam."