Briten MKS aus Asien eingeschleppt
Brüssel/London/Kopenhagen - Drei Kühe auf einem Hof bei Vejle, 230 Kilometer westlich von Kopenhagen, zeigten nach Angaben der Veterinärbehörde Symptome, die mit der Seuche zusammenhängen könnten. Ein endgültiger Befund wurde am Mittwoch erwartet. Der Hof wurde sofort unter Quarantäne gestellt. In Dänemark waren bisher zwei Verdachtsfälle aufgetreten, die sich jedoch nicht bestätigten. Dänemark ist der weltweit größte Exporteur von Schweinefleisch. Zum letzten Mal war die Krankheit 1983 in dem Land bekannt geworden.
Der Hof im belgischen Villers-la-Tour wurde unter Quarantäne gestellt, nachdem zwei Tiere die Symptome der hoch ansteckenden Tierkrankheit gezeigt hatten. Endgültige Testergebnisse würden bis zum Abend erwartet, berichtete der Fernsehsender RTBF am Dienstag. In Belgien hatte es zuvor bereits Verdachtsfälle auf Maul- und Klauenseuche gegeben, die sich aber nicht bestätigt hatten. Bislang ist das Land frei von der Krankheit.
Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Seuche in dem Benelux-Staat ausbrechen könnte. Frankreich und die Niederlande, die bereits von der Krankheit betroffen sind, sind direkte Nachbarn. Zudem gibt es mit Großbritannien einen regen Fährverkehr. Nach dem Ausbrechen der Seuche in den Niederlanden hatten die belgischen Behörden die Kontrollen von Viehtransporten verschärft.
Asiatisches Fleisch als Auslöser?
In Großbritannien soll die hoch ansteckende Tierkrankheit durch Fleisch ausgelöst worden sein, das illegal aus Asien auf die Insel gebracht worden ist. Zu dem Ergebnis kommt nach Angaben der britischen Zeitung "The Times" eine von der Regierung in Auftrag gegebene Untersuchung, die Landwirtschaftsminister Nick Brown am Dienstag dem Parlament vorstellen wird. Darin wird eingeschmuggeltes Fleisch, das in einem China-Restaurant im Nordwesten Englands angeboten wurde, als wahrscheinlichster Seuchenauslöser genannt.
Die Fleischabfälle aus dem Restaurant seien später in Schweinefutter aufgetaucht, das in Heddon-on-the-Wall in der nordostenglischen Grafschaft Northumberland verfüttert worden sei. Den Ort hätten Veterinäre der britischen Regierung als Auslöser der Seuche ausgemacht, berichtete das Blatt weiter.
Blair erwägt Impfungen
Ministerpräsident Tony Blair deutete an, dass seine Regierung ihr Vorgehen gegen MKS ändern und den Beginn von Impfungen erwägen könne, um die Seuche einzudämmen. "Während man die Seuche verfolgt und sieht, wie sie sich ausbreitet, müssen die Dinge, die vor kurzem noch äußerst ungenießbar schienen, nun auf die Tagesordnung", sagte Blair dem Rundfunksender BBC.
Seine Regierung hatte seit dem Ausbruch der Seuche vor fünf Wochen vor allem auf Massenkeulung gesetzt und bereits 400.000 Tiere töten und vernichten lassen. Mehr als 200.000 weitere Tiere - vor allem Schafe - sollen noch geschlachtet werden. Die Zahl der Infektionsherde in Großbritannien erhöhte sich auf 634. Zur schnelleren Beseitigung Hunderttausender Tierkadaver hatte die britische Armee am Montag Bagger eingesetzt, um riesige Gruben für die zu tötenden Tiere auszuheben.
Blair hält bislang an seinen Plänen fest, trotz der
Verbreitung der Tierseuche die für den 3. Mai angesetzte
Kommunalwahl abzuhalten. Es wurde erwartet, dass Blair für
denselben Tag auch Parlamentswahlen ansetzt. Letzte Möglichkeit
dazu besteht in der ersten Aprilwoche. In einer Umfrage des
Meinungsforschungsinstitutes NOP für "Independent Television
News" hielten 77 Prozent der Befragten die Seuche für nicht
unter Kontrolle. Außer in
Großbritannien sind in Europa bisher acht MKS-Fälle in Irland,
Frankreich und den Niederlanden bekannt geworden.