Großbritannien Cameron will EU-Einwanderer abschrecken
Premier Cameron (bei seiner Europa-Rede im Januar): "Debatte über Migration richtig"
Foto: Oli Scarff/ Getty ImagesLondon - Neun Monate vor dem Start der Freizügigkeit für EU-Bürger aus Rumänien und Bulgarien will Großbritannien sein Wohlfahrtssystem EU-Einwanderern teilweise verschließen. Der Zugang zum britischen Wohlfahrtssystem sei etwas, was sich Zuwanderer verdienen müssten, nicht ein automatisches Recht, sagte Regierungschef David Cameron am Montag in Ipswich in einer Grundsatzrede zur Einwanderungspolitik.
Nach Camerons Plänen soll Migranten aus anderen EU-Ländern das Arbeitslosengeld gekürzt werden, wenn sie nicht die reelle Chance nachweisen könnten, bald einen Arbeitsplatz zu finden. Anspruch auf eine Sozialwohnung soll es erst geben, wenn Bewerber mindestens zwei Jahre im Land sind.
Für Einwanderer, die nicht aus der Europäischen Union kommen, soll der sogenannte Gesundheitstourismus erschwert werden. Vor ärztlichen Behandlungen im staatlichen Gesundheitssystem soll künftig geprüft werden, ob die Patienten krankenversichert sind. Die Strafen für Firmen, die illegale Einwanderer beschäftigen, sollen nach Camerons Vorschlägen auf bis zu 20.000 Pfund (knapp 24.000 Euro) verdoppelt werden.
Angesichts einer Netto-Einwanderung von 2,2 Millionen Menschen in den Jahren 2009 bis 2012 sei eine Debatte über Migration "nicht nur legitim, sondern richtig", sagte Cameron.
Auch die deutsche Regierung erwägt zusätzliche Maßnahmen gegen die Armutseinwanderung aus Bulgarien und Rumänien. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich sagte kürzlich im Interview mit dem SPIEGEL, zwar ermöglichten die EU-Freizügigkeitsregeln, dass jeder EU-Bürger sich in jedem Mitgliedsland aufhalten könne, wenn er dort arbeite oder studiere. "Wer aber nur kommt, um Sozialleistungen zu kassieren, und das Freizügigkeitsrecht missbraucht, der muss wirksam davon abgehalten werden." Friedrich hatte bereits Anfang des Monats auf EU-Ebene ein Veto gegen den Schengen-Beitritt der beiden Staaten eingelegt.