Britischer Zeitungsbericht Verwundete Taliban erholen sich in Pakistan
Quetta Die Vermutung gibt es seit Langem - und sie wird auch von der afghanischen Regierung immer wieder vorgebracht: Die aufständischen Taliban nutzen das Nachbarland Pakistan als Rückzugsgebiet. Nun will ein britischer "Times"-Reporter den Beweis gefunden haben. Ein Haus in Quetta. Er berichtet von rund 30 Taliban-Kämpfern, die sich dort von Kriegsverletzungen erholen: Mehreren Kommandeuren und ihren Soldaten. Die Afghanen hätten sich dort aufgehalten, um sich nach Kämpfen in ihrem Heimatland gegen die Nato-Truppen auszuruhen. Die Männer sollen auf einem von einer weißen Mauer umgebenen Gelände im Vorort Paschtunabad wohnen. Sie hätten sich nach den blutigsten Kämpfen der letzten fünf Jahre dorthin zurückgezogen.
Dem Reporter zufolge trugen sie ordentlich gebügelte Kleidung und schwarze Turbane. Ihre Augen seien taliban-typisch mit schwarzem Kajal umrandet gewesen. Er fand sie entspannt in Polster gelehnt, bei Tee und Kuchen. Dabei hätten sie herzhaft über die Nato-Berichte gelacht, wonach die Taliban bei den jüngsten Kämpfen schwere Verluste erlitten hätten.
Ein junger Mann mit einer Schussverletzung an der Wade habe sich besonders vorlaut gezeigt und über die britischen Soldaten hergezogen, heißt es in dem "Times"-Bericht weiter."Gegen die Briten zu kämpfen ist so einfach wie ein Butterbrot zu essen viel leichter als gegen die Amerikaner. Sie haben kein Vertrauen."
Schon seit geraumer Zeit hatte es immer wieder Hinweise für den Aufenthalt von Taliban-Kämpfern im benachbarten Pakistan gegeben. Die pakistanische Regierung hatte jedoch stets dementiert, dass die Radikal-Islamisten Pakistan als Rückzugsgebiet nutzen.
Dieser Augenzeugenbericht könnten nun Präsident Pervez Muscharraf in die Bedrouille bringen zumal er heute Besuch vom britischen Premierminister Tony Blair hatte. Beide Politiker bekräftigten nach ihren Gesprächen, sie wollten den Terrrorismus bekämpfen. Mit der Unterstützung gemäßigter Islamschulen und der Schaffung von Arbeitsplätzen. Außerdem müssten die aufständischen Taliban in Afghanistan und Pakistan besiegt werden, erklärten der Premier und der General in Lahore. Zur Kontrolle der afghanisch-pakistanischen Grenze werde London zwei Hubschrauber zur Verfügung stellen, sagte Blair.
Im Februar hatte sich Muscharraf außerordentlich empört gezeigt, als der afghanische Präsident Hamid Karzai ihm eine Liste mit Namen von Taliban-Kämpfern in Pakistan überreichte. Auf dem Papier waren Adressen und Telefonnummern hochrangiger Taliban in Quetta notiert inklusive dem Anführer Mullah Omar. Der pakistanische Regierungschef tat das als Unsinn ab. Karzai solle sich erstmal klar machen, was in seinem eigenen Land los sei. Noch in der vergangenen Woche sagte er in einem Interview, die Afghanen machten es sich verdammt leicht, indem sie Pakistan zum Sündenbock machten.
ler/AP