Bulgarische Krankenschwestern Cécilia Sarkozy verteidigt ihren Einsatz in Libyen
Paris - Die französische Präsidentengattin hat erstmals über ihre Rolle bei der Freilassung der bulgarischen Krankenschwestern aus libyscher Haft vor sechs Wochen berichtet: Sie habe 50 Stunden unnachgiebig verhandelt, auch direkt mit dem libyschen Staatschef Muammar Gaddafi, sagte Cécilia Sarkozy der Zeitung "L'Est Républicain". "Ich bin als Frau, als Mutter nach Tripolis gereist, getrieben von der Absicht, Menschenleben zu retten." Die Komplexität der internationalen Beziehungen habe sie dabei weniger im Blick gehabt.
Cécilia Sarkozy war am 24. Juni mit an Bord der französischen Regierungsmaschine, die die sechs Krankenschwestern und den Arzt palästinensischer Abstammung nach acht Jahren Haft aus Tripolis zurück nach Bulgarien brachten.
Ihre medial perfekt inszenierte Mission und das Engagement von Staatspräsident Nicolas Sarkozy wurden in Frankreich und im Ausland sehr kontrovers aufgenommen. Man warf ihnen vor, die Lorbeeren für ein lange von der EU vorbereitetes Abkommen geerntet zu haben. Zudem besteht der Verdacht, Paris habe Gaddafi mit einem weit reichenden Rüstungsdeal belohnt. Die französischen Sozialisten sprachen von einer "Sarko-Schau" und setzten einen Untersuchungsausschuss ein, um die Hintergründe ans Licht zu bringen.
In dem Interview mit "L'Est Républicain" wies Cécilia Sarkozy die Gerüchte um einen Rüstungsdeal zurück. Gaddafi habe während ihrer Gespräche erkannt, "dass er sein Ansehen durch eine menschliche Geste verbessern könnte". Thema sei ausschließlich die Tragödie der Krankenschwestern und der HIV-infizierten Kinder gewesen. Als Gegenleistung für die Freilassung habe sie lediglich Hilfe im medizinischen Bereich zugesagt, erklärte Cécilia Sarkozy: die Ausbildung libyscher Ärzte, Geräte und Ausrüstung für die Behandlung von Aids-Patienen sowie Visa für Kinder, die in Frankreich behandelt werden sollten.
Bei ihren Reisen nach Libyen im Juli habe sie "alleine, auf Englisch, ohne Übersetzer" mit dem dortigen Staatschef Muammar Gaddafi verhandelt und "ohne Unterlass" auch mit allen anderen Libyern gesprochen, die mit dem Fall zu tun hatten, sagte die First-Lady.
Der deutsche Europaabgeordnete Daniel Cohn-Bendit sagte vor Journalisten im Straßburger Europaparlament, der Einsatz der französischen Präsidentengattin gehöre offenbar zur "Familientherapie" der Sarkozys. Es gehe vor allem darum, eine Beschäftigung für die First Lady zu finden, sagte der Grünen-Politiker unter Anspielung auf frühere Eheprobleme des Paares. Dies habe Gaddafi zu nutzen gewusst, um Waffenlieferungen mit Frankreich auszuhandeln.
anr/AP/AFP