Bundeswehr: Afghanistan-Mission wird gefährlicher - DER SPIEGEL
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Bundeswehr Afghanistan-Mission wird gefährlicher

Der Leichnam des bei einem Anschlag in Afghanistan getöteten Bundeswehrsoldaten wird heute in Deutschland erwartet. Der Wehrbeauftragte Robbe schließt weitere Todesopfer bei der Mission zum Wiederaufbau des Landes nicht aus.
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Berlin - Durch die Ausweitung des Auftrag der Bundeswehr auf den Norden Afghanistans seien gefährlichere und kompliziertere Einsätze zu erwarten, sagte Reinhold Robbe der "Saarbrücker Zeitung". Die dortigen Drogenbarone könnten versuchen, die Bundeswehr und ihre Verbündeten einzuschüchtern. Er sehe aber keine Alternative zum Engagement in Afghanistan: "Vor den Attentaten der Taliban in die Knie zu gehen, wäre unverantwortlich." Das sähen die Soldaten vor Ort genauso.

Der bei dem Anschlag durch Taliban getötete Soldat, ein 44-jähriger Oberstleutnant aus Bayern, sollte am Abend nach Deutschland überführt werden. Die beiden bei dem Attentat in Kabul Verletzten wurden in der Nacht im Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz operiert und befinden sich in stabilem Zustand. Wie das Verteidigungsministerium mitteilte, handelt es sich um einen 38-jährigen Hauptfeldwebel und einen 31-jährigen Oberfeldwebel aus Bayern. Sie waren gestern Abend an Bord einer Bundeswehrmaschine in Köln gelandet und der Auskunft zufolge sofort ins Bundeswehrkrankenhaus nach Koblenz weitertransportiert worden.

Der Leichnam des getöteten Soldaten sollte mit militärischer Ehrerweisung in Köln empfangen werden. Die Maschine wurde gegen 21Uhr auf dem militärischen Teil des Flughafens Köln/Wahn erwartet. Verteidigungsminister Peter Stuck und der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, wollten an dem Zeremoniell teilnehmen.

Durch den Anschlag wurde eine Debatte über den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan entfacht. Die FDP forderte eine umfassende Aufklärung von der Bundesregierung über den Vorfall. Die Frage müsse geklärt werden, ob die Bundeswehr für Auslandseinsätze mit stärker geschützten Fahrzeugen ausgerüstet werden müsse, verlangte der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Jörg van Essen, in der "Welt".

Dabei müsse die Regierung auch die Frage beantworten, welche Folgen der Anschlag gehabt hätte, wenn die Soldaten sich nicht in einem Fahrzeug vom Typ Wolf, sondern in einem Dingo befunden hätten. Der Dingo gilt als das Einsatzfahrzeug mit dem besten Schutz gegen Minen und Anschläge. Es müsse daran gedacht werden, "mehr Dingos zu beschaffen", sagte van Essen.

Der Vorsitzende der Linksfraktion, Oskar Lafontaine, forderte unterdessen erneut ein Ende des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan. Mehr Information oder eine Diskussion über den Einsatz von Fahrzeugtypen bedeuteten keine Hilfe, erklärte Lafontaine.

Der Grünen-Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei sprach sich ebenfalls deutlich gegen die Verzahnung der Isaf-Mission zum Wiederaufbau Afghanistans und der amerikanisch geführten Antiterror-Operation Enduring Freedom aus. "Dieses miteinander zu verschmelzen hieße im Klartext, die Vorteile und Erfolge von ISAF wieder rückgängig zu machen", sagte er im Deutschlandradio Kultur.

Vier Tote bei Selbstmordanschlag auf US-Soldaten

Zwei Tage nach dem Anschlag auf die Bundeswehr in Kabul hat ein Selbstmordattentäter in der südafghanischen Stadt Kandahar drei afghanische Zivilisten mit in den Tod gerissen. Bei dem Anschlag seien am Mittwoch drei Zivilisten und ein Polizist verletzt worden, sagte der Sprecher der Provinzregierung Kandahars, Mohammad Nasim. Ziel sei ein amerikanisches Fahrzeug in einem Militärkonvoi gewesen. Ausländer seien aber nicht verletzt worden. Bei einem Anschlag mutmaßlicher radikalislamischer Rebellen in der südostafghanischen Provinz Paktika starben nach Angaben des Innenministeriums fünf afghanische Polizisten.