Burma Mönche lassen sich nicht vertreiben
Rangun Gambari war zuvor nach Gesprächen mit der burmesischen Militärjunta in deren Regierungssitz Naypyitaw nach Rangun zurückgekehrt. Anschließend wurde er zum Treffen mit der Friedensnobelpreisträgerin in ein staatliches Gästehaus eskortiert, berichteten Diplomaten. Das Gespräch habe rund eineinviertel Stunden gedauert. Über den Inhalt wurde nichts bekannt.
Die Bevölkerung setzt große Hoffnungen auf die Vermittlungskünste des nigerianischen Diplomaten. Obwohl Gambari gestern vom Flughafen in Rangun zunächst direkt in die "Dschungelhauptstadt" der Generäle, Naypyidaw, weitergeflogen war, hatte sich das Gerücht wie ein Lauffeuer verbreitet, der Diplomat steige im Traders Hotel in Rangun ab. Das liegt in Sichtweite der Sule-Pagode, wo noch Mitte der Woche Tausende Burmesen - angeführt von Mönchen - protestiert hatten.
"Da kann er gleich sehen, wie das Regime mit uns umgeht", sagt der Wachmann eines nahe gelegenen Bürohauses. Er zeigt auf die uniformierten Bereitschaftspolizisten, die keine 20 Meter vom Eingang des Hotels entfernt am Zaun sitzen. Die Schilde und Schlagstöcke liegen verstreut auf dem Boden - noch. Dass sie keine Skrupel haben, die Schlagstöcke einzusetzen, haben die Sicherheitskräfte mehr als einmal brutal unter Beweis gestellt. Direkt hinter ihnen stehen Soldaten mit Maschinenpistolen im Anschlag. An der Kreuzung vor dem Hotel stehen zwei Truppentransporter, besetzt mit jeweils 20 Mann.
Das Großaufgebot der Soldaten hinderte Hunderte Demonstranten auch daran, zum Trader-Hotel vorzudringen. Direkt vor dem Hotel gingen Sicherheitskräfte gegen etwa 40 Demonstranten vor. Nach Augenzeugenberichten wurden die Menschen von Soldaten eingekreist und dann auf Lastwagen zu einem unbekannten Ort gebracht. Auch in Mandalay, Sittwe und Pakokku sei demonstriert worden, berichtete der britische Fernsehsender BBC. Im US-Nachrichtensender CNN war zu sehen, wie Festgenommene von Soldaten verprügelt wurden.
Keine Mönche aus den Straßen verschwunden
Der Sender Democratic Voice of Burma, der von der norwegischen Hauptstadt Oslo aus ausgestrahlt wird, berichtete, dass gestern wie am Vortag keine Mönche auf den Straßen zu sehen gewesen seien. Diese seien nach ihrer anfänglich führenden Rolle bei den Demonstrationen entweder interniert oder in ihren Klöstern eingeschlossen.
Es habe keine Berichte über Schusswaffengebrauch des Militärs wie in den Vortagen gegeben, die Soldaten seien zur Zurückhaltung aufgefordert worden, berichtete der Oppositionssender Democratic Voice of Burma unter Berufung auf den staatlichen burmesischen Rundfunk.
Die private Menschenrechtsorganisation Asian Human Rights Commission (AHRC) geht davon aus, dass bis Freitag insgesamt 1200 Regimegegner in Gewahrsam genommen worden sind. Darunter seien mindestens 700 Mönche, hieß es auf der AHRC-Internet-Seite. Auf Verlangen der Europäischen Union wurde für Dienstag eine Sondersitzung des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen nach Genf einberufen.
Unklar war, ob Gambari in Burma Juntachef General Than Shwe oder dessen Stellvertreter General Maung Aye treffen würde, berichteten US-Medien. Gambari wollte neben Vertretern der Junta auch Religionsführer und Oppositionelle treffen. Die US-Diplomatin Shari Villarosa sagte CNN, Gambari wolle Than Shwe direkt von der "internationalen Entrüstung" über die Vorgänge in Burma berichten.
Chinesische Führung sehr besorgt
Vom Flughafen Rangun fuhr der Uno-Gesandte gestern direkt weiter in die 300 Kilometer nördlich gelegene Stadt Naypyidaw, die von der Junta zum neuen Regierungssitz erklärt worden ist.
China, einer der engsten Verbündeten der Militärführung in Burma, äußerte sich "sehr besorgt" über die Lage im Nachbarland. Ministerpräsident Wen Jiabao sagte nach Regierungsangaben in einem Telefongespräch mit dem britischen Premierminister Gordon Brown am Freitagabend, Peking hoffe, dass die Konfliktparteien in Burma Zurückhaltung übten.
Der Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (APA) übte derweil Kritik am westlichen Kurs gegen Burma. Er glaube nicht, dass Burma durch Restriktionen der Europäer und Amerikaner in die richtige Richtung gelenkt werden könne, sagte APA-Vorsitzender Jürgen Hambrecht dem "Handelsblatt". "Mit einer Kürzung unserer Unterstützung tun wir gerade das Falsche", kritisierte der BASF-Vorstandsvorsitzende.
Zugleich warnte er vor Forderungen nach einem Sturz der Militärjunta. Der Irak habe gezeigt, dass man wissen müsse, wie es nach dem angestrebten Sturz der Militärjunta weitergehen solle. "Ist das Land überhaupt selbst in der Lage, ein anschließendes Machtvakuum zu managen?"
Hambrecht kritisierte auch, dass Chinas Verhalten im UN- Sicherheitsrat als verantwortungslos bezeichnet werde. "Wer hat denn außer den USA einen wesentlichen Beitrag zur Beilegung des Atomstreits mit Nordkorea geleistet?" China habe unmittelbare Interessen in der Region, wolle keinen großen Konflikt und habe selbst Interesse an wirtschaftlicher Prosperität in Burma.
mik/dpa/ddp