Bush in New York Feldherrenhügel aus Trümmern
New York - Bush erklärte, es existiere ein nationaler Notstand und "eine andauernde und unmittelbare Bedrohung durch weitere Anschläge in den USA".
Begleitet von einem großen Aufgebot an Sicherheitskräften begab er sich nach der Landung der Präsidentenmaschine "Airforce One" zum Trümmerfeld des einstigen World Trade Centers, um sich ein Bild vom Fortgang der Bergungsarbeiten zu machen. Bush wolle zugleich den Angehörigen der Opfer sein Beileid überbringen und den Rettungsmannschaften seinen Dank für ihren heroischen Einsatz aussprechen.
Bush, der sich schon oft durch seine Versprecher lächerlich gemacht hat, fand den richtigen Ton. Seine linke Hand um die Schulter eines Feuerwehrmannes gelegt, in der rechten ein Megafon haltend, stand der Präsident auf den Trümmern des World Trade Centers und sagte: "Ich höre euch! Der Rest der Welt hört euch und die Leute, die diese Gebäude zum Einsturz gebracht haben, werden sehr bald etwas von uns allen zu hören bekommen!" Der Präsident schüttelte mehr als 400 Hände und versuchte den New Yorkern Mut zuzusprechen: "Die ganze Nation steht heute an der Seite der guten Menschen von New York."
Dieser Einsatz scheint die Helfer und die Mehrzahl der Menschen in der Stadt zusammenzuschweißen. "USA! USA!" skandierten die erschöpften Männer der Bergungstrupps, die weiter nach Überlebenden des folgenschwersten Angriffs in der Geschichte Amerikas suchen. "USA! USA!" riefen auch die Rettungssanitäter, die Feuerwehrleute, die mehr als 300 ihrer Kameraden verloren haben, und die Bauarbeiter, die fieberhaft um die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit des Finanzzentrums Amerikas ringen. An den Zufahrtswegen zum zerstörten World Trade Center bildeten die Menschen eine Gasse. Auf Spruchbändern war zu lesen: "George, gib es ihnen!" oder: "Heute Trauer, morgen Rache!"
Dazu hat der Präsident nun alle Mittel. Der US-Senat hat dem Präsidenten rund 40 Milliarden Dollar bewilligt, die für die Unterstützung der Opferfamilien, den Wiederaufbau, die Verbesserung der Sicherheit und die Jagd nach den Tätern ausgegeben werden sollen. Der größte Teil der Aufbaugelder ist für New York bestimmt.
Bitten an den Allmächtigen
In der Washingtoner Kathedrale hatte Bush zuvor an einer Gedenkfeier teilgenommen. Dabei wurde auch dafür gebetet, dass Bush "weise" über die amerikanische Antwort auf die Attacken entscheiden möge. An dem Gebetstreffen nahmen alle Kabinettsmitglieder und die Expräsidenten George Bush, Bill Clinton, Jimmy Carter und Gerald Ford teil.
Bush selbst sagte: "Nur drei Tage nach den Ereignissen haben die Amerikaner noch nicht die Distanz zum Geschehen. Aber unsere historische Verantwortung ist bereits klar: Diese Attacken zu beantworten und die Welt vom Bösen zu befreien. (...) Dieser Konflikt wurde von anderen zu deren Konditionen und nach deren Zeitplan begonnen. Er wird in einer Weise und zu einer Zeit enden, die wir bestimmen.(...) An diesem Tag der nationalen Trauer und des Gedenkens bitten wir den allmächtigen Gott, unsere Nation zu bewahren, uns Geduld zu schenken und bei uns zu sein bei allem, was kommt."