Bush-Messer Verlorene Wetten
Der Bush-Messer ist eigentlich ein vorsichtiger Mensch und deshalb ging er auch zwei Wetten ein, wer denn der nächste amerikanische Präsident werden würde. Die erste Wette spielte sich schon im Februar 2003 ab. Lang, lang ist's her. Der Irak-Krieg stand noch bevor, es war nur eine Frage von Tagen, bis er beendet sein würde. Ein Klacks. Ein Durchrauschen. So haben sie damals geredet, hier in Washington und anderswo. Siegestrunken.
Und der Bush-Messer war zu diesem Zeitpunkt noch ganz sicher, dass George W. Bush mit Leichtigkeit jeden Demokraten schlagen würde, der das Pech hätte gegen ihn antreten zu müssen. Also, diese Wette hat er gemeinsam mit dem deutschen Botschafter in Washington und Alexander Osang, dem Reporter aus dem eigenen Haus, gewonnen. Verloren hat sie Gary Smith, der Chef der American Academy in Berlin.
Ich habe es schriftlich, falls Gary den löblichen Umstand vergessen haben sollte, dass er krachend und quietschend daneben liegt.
Wirklich und ehrlich an Kerrys Sieg geglaubt
Es hat viele zweite Wetten gegeben, die der Bush-Messer verloren hat. Ein Essen in New York ist die schlimmste Folge. Begünstigte sind Marc Hujer, der für die "Süddeutsche Zeitung" aus Washington schreibt (und der perfiderweise darüber Beschwerde führt, dass am Mittwochnachmittag der Ich-habe-verloren-Anruf des Bush-Messers ausblieb, wo doch Kerry auch Bush anrufen musste) und schon wieder besagter Alexander Osang, der über eindreiviertel Jahre hinweg seine Meinung nicht änderte, was er zweifellos mit dem neuen, alten Präsidenten gemeinsam hat. Will man das?
Und jetzt folgt ein Eingeständnis des Bush-Messers: Er hat wirklich und ehrlich fest geglaubt, dass John Kerry gewinnen würde. Es sprach einfach mehr dafür als dagegen. Es sprach mehr gegen Bush als für ihn. Der Bush-Messer hat es so gemeint, wie er es geschrieben hat. Er hat keine für-wen-will-ich-denn-jetzt-sein-und wie wär's-denn-mit-Kerry-Spielchen getrieben, und wollte die zweite Wette unbedingt gewinnen (zumal er die erste längst vergessen hatte und den Wettzettel erst gestern zufällig wiederfand). Der Bush-Messer hat sich schlicht und ergreifend geirrt und ist deswegen noch immer mäßig geknickt. Sorry Freunde, Asche über mein Haupt.
Nie mehr wetten!
Wer solche Niederlagen erleidet, sollte sein Leben wenigstens ein bisschen ändern. Gute, alte Regel. Der Bush-Messer gelobt, erstens, Wetten zu meiden die er verlieren könnte. Der Bush-Messer gelobt, zweitens, Wetten mit dem wunderbaren, liebenswerten Alexander Osang zu meiden, weil genannter A.O. offenbar jede Wette tückisch gewinnt, die er eingeht (obwohl der Bush-Messer mehr über Politik weiß als A.O., was den schrecklichen Verdacht aufkommen lässt, dass das nichts hilft).
Der Bush-Messer hegt, drittens, hinfort die Absicht, auf seine Frau zu hören, die mit ähnlicher Beharrlichkeit wie A.O. und M.H. ihrer Ansicht blieb, dass Bush die Wahl gewinnen würde. Und, viertens, wird der Bush-Messer weiterhin so vorsichtig bleiben und zwei Wetten mit unterschiedlicher Prognose abschließen, so dass er von vornherein weiß, dass er einmal recht behalten wird. Da der Bush-Messer diese Umsicht auch diesmal walten ließ, muss er sich eigentlich, recht besehen, gar nicht ändern. Er sollte nur den Überblick behalten, welche Wetten er eingeht, anstatt sie um ein Haar zu vergessen, die gewonnene Wette nämlich.
Ansonsten empfiehlt der Bush-Messer allen Freunden dieser Kolumne einen kleinen Orts- und Personenwechsel. Er packt nämlich jetzt gleich ein paar Klamotten und setzt sich ins Flugzeug, um den zukünftigen Präsidenten der amerikanischen Republik zu besichtigen: den Gouverneur mit der Zigarre, den ersten Bürger der liberalen Republik Kalifornien, unseren Arnie. Wetten, dass er das werden will: Präsident? Um ein Essen in New York? Was sagt A.O. dazu? Und traut sich M.H.?
Der Bush-Messer verabschiedet sich. Er ist betrübt, aber nicht gebrochen. Und er kommt wieder. Spätestens in vier Jahren. In der Zwischenzeit: Have fun!