Bush-Regierung Rumsfeld düpiert Rice
Washington - Donald Rumsfeld distanzierte sich von den selbstkritischen Äußerungen seiner Kabinettskollegin Condoleezza Rice. Zur Aussage der Außenministerin, die USA hätten im Irak "Tausende" taktische Fehler begangen, sagte Rumsfeld in einem Rundfunkinterview: "Um ganz ehrlich zu sein, ich weiß nicht, wovon sie geredet hat."
Dem Lokalsender WDAY in North Dakota sagte Rumsfeld weiter: "Wenn jemand von taktischen Fehlern spricht, glaube ich, liegt das an mangelndem Verständnis von Krieg, so wie ich ihn verstehe." Keine Militärstrategie sei starr festgelegt. Nach dem "Kontakt mit dem Feind" würden Taktiken, Techniken und Vorgehen vielmehr laufend geändert.
Das Interview wurde bereits am Dienstag geführt, gestern veröffentlichte das Verteidigungsministerium eine Mitschrift.
Rice selbst hatte ihr erstaunliches Eingeständnis nachträglich zu relativieren versucht. Die US-Regierung habe Fehler gemacht, es sei aber sicher kein Fehler gewesen, den irakischen Machthaber Saddam Hussein zu stürzen, sagte Rice am Samstag dem britischen Rundfunksender BBC.
Die Querelen zwischen Rumsfeld und Rice fallen in eine Zeit, da die Bush-Regierung mit fallenden Umfragewerten und anhaltenden Personaldiskussionen zu kämpfen hat. Bush gilt als angeschlagen, in jüngsten Umfragen bescheinigen nur noch 37 Prozent der US-Amerikaner ihrem Präsidenten, gute Arbeit zu leisten. Grund für die schlechte Stimmung ist neben der anhaltend schwierigen Lage im Irak der innenpolitische Stillstand: Die Reformpläne des Präsidenten zur staatlichen Rentenversicherung sind gescheitert.
Zuletzt verdichteten sich die Hinweise auf einen baldigen Rücktritt von Finanzminister John Snow. Laut amerikanischen Zeitungsberichten ist das Weiße Haus mit der Leistung Snows nicht mehr zufrieden. Bush wolle sieben Monate vor den Kongresswahlen einen Minister, der die erfolgreiche Wirtschafts- und Finanzpolitik seiner Regierung stärker herausstelle.
hen/AFP