Castro im Fernsehinterview "Also, hier bin ich!"
Havanna - Er sprach langsam, musste immer wieder Pausen einlegen, ist extrem abgemagert - doch trotzdem will Fidel Castro nicht über seine Gesundheit sprechen: "Also, hier bin ich", sagte er dazu nur bei seinem ersten Fernsehauftritt seit Anfang Juni, der gleich eine ganze Stunde dauerte. Ein gelungener Coup, zumal das Interview - das zuvor aufgezeichnet wurde - ohne Ankündigung in das Programm aufgenommen wurde.
Es habe geheißen, er liege im Sterben oder sei schon tot, sagte Castro, der in der dritten Person über sich sprach: "Aber keiner weiß, an welchem Tag er sterben wird". Wie um zu beweisen, dass das Interview tatsächlich aktuell aufgenommen worden war, erwähnte Castro den aktuellen Dollar-Euro-Kurs und den Ölpreis.
Ein Jahr ist es her, dass Castro wegen einer Darmgrippe ins Krankenhaus kam und die Regierungsgeschäfte an seinen Bruder Raúl übergegangen sind. Über eine Rückkehr in die aktuelle Politik sagte Castro nichts. Er erklärte nur, er beobachte weiter das aktuelle Tagesgeschehen in der Welt.
Warnung vor einem Iran-Krieg
Höhnisch hielt er Bücher der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher und des früheren US-Präsidenten Ronald Reagan sowie des ehemaligen US-Notenbankchefs Alan Greenspan vor die Kamera und mokierte sich darüber, dass diese damit "Millionen" verdienten. Er warnte die US-Regierung davor, gegen Iran in den Krieg zu ziehen und sprach über die hohen Kosten des Irakkriegs.
Wiederholt hatte es Gerüchte gegeben, der Gesundheitszustand Fidel Castros habe sich dramatisch verschlechtert. Am 5. Juni war ein Video Castros ausgestrahlt worden, zum Nationalfeiertag am 26. Juli und zu seinem Geburtstag am 13. August gab es keine Neuigkeiten.
Der venezolanische Staatschef Hugo Chávez erklärte gestern in Brasilien, Castro sei "beinahe gestorben", ohne dafür einen Zeitpunkt zu benennen. Die Ärzte hätten praktisch das gesamte Blut Castros ausgetauscht, fügte Chávez hinzu. "Eine Operation, zwei Operationen, drei Operationen, mit 81 Jahren - er war fast tot."
Seit dem 29. März erschienen in den kubanischen Staatsmedien 45 Notizen der Serie "Reflexionen des Oberkommandierenden". Außenminister Felipe Pérez Roque versicherte, Fidel Castro beteilige sich weiterhin an den "wichtigsten Entscheidungen des Landes".
ase/AFP/dpa