Castro wird 84: Maximo Party - DER SPIEGEL
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Kuba: Castros Comeback

Foto: ENRIQUE DE LA OSA/ REUTERS

Castro wird 84 Maximo Party

Fidel Castro erlebt dieser Tage seinen zweiten Frühling. Die schwere Krankheit scheint überwunden, der Kubaner beglückt die Welt wieder mit öffentlichen Auftritten - zu seinem 84. Geburtstag fragen sich jetzt alle: Kommt er zurück an die Macht?
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Havanna - 200 Kinderchöre sind ausgeschwärmt. Für Samstag ist ein Konzert auf der Freitreppe der Universität von Havanna geplant. Es wird geschauspielert, gelesen und natürlich kräftig musiziert. Die "Künstlertage" sind in vollem Gange.

Fidel Castro

hat mal wieder Geburtstag.

Raúl

84 Jahre alt soll der ehemalige kubanische Staatschef inzwischen sein. So genau weiß man das nicht, manchen Biografien zufolge ist er ein bisschen jünger, aber das spielt auch keine Rolle. Denn vor nicht allzu langer Zeit hätte kaum jemand erwartet, dass er diesen Geburtstag überhaupt noch erlebt. Seit der umstrittene Revolutionär 2006 schwer erkrankte und die Macht an seinen jüngeren Bruder übergab, schien er immer schwächer. Dem Volk zeigte er sich nur noch sporadisch. Die Besuche von befreundeten südamerikanischen Staatschefs an seinem Krankenbett wirkten wie Abschiede.

Doch plötzlich ist er wieder da. Seine Krankheit scheint überwunden - Castro feiert pünktlich zu seinem Geburtstag ein Mini-Comeback.

Es begann Mitte Juli, als er erstmals seit drei Jahren wieder im Fernsehen auftrat. Die Zuschauer sahen ihn in erstaunlich stabiler gesundheitlicher Verfassung und guter Laune. Castro sprach langsam und entspannt.

Anfang August stellte er den ersten Band seiner Memoiren vor. Stolze 900 Seiten umfasst das Werk, es trägt den Titel "Der strategische Sieg". Gemeint ist jener Kampf, den Castro und seine Mitstreiter vor mehr als 50 Jahren gegen die Armee des Diktators Fulgencio Batista gewannen. Schon bald soll ein zweiter Band folgen.

Der Höhepunkt folgte vor rund einer Woche: Am vergangenen Samstag trat Castro zum ersten Mal seit seiner Erkrankung wieder in der Nationalversammlung auf. Es war ein typischer Castro - in alter Schärfe attackierte er die USA dafür, wie sie mit Nordkorea und Iran umspringen, er warnte vor einem drohenden Atomkrieg, ja gar vor einem Weltuntergang. Ein paar Breitseiten gegen den Kapitalismus, kaum ein Wort zur Innenpolitik: Die rund 600 Deputierten waren begeistert. Alles schien wie früher. Auch kleidungsmäßig, denn Castro erschien in einer olivgrünen Uniform.

Und jetzt? Ist er wieder auf dem Sprung zum "Comandante en Jefe"? Macht sein Bruder wieder Platz für den "Máximo Líder"? Gibt es das Macht-Comeback?

Anhänger dieser Theorie verweisen darauf, dass sich parallel zu seiner Genesung ja ein bisschen was getan hat im kommunistischen Kuba. 52 Dissidenten wurden aus Gefängnissen entlassen, außerdem will das Land künftig ein wenig mehr Privatwirtschaft wagen. Solch tektonische Verschiebungen könne eben doch nur einer veranlassen: Fidel höchstselbst.

Zweifel an seinem Comeback sind trotzdem angebracht. Zwar trägt er wieder Militärkluft, aber aufmerksame Beobachter haben registriert, dass die Sterne des Oberbefehlshabers auf den Schultern fehlen. Auch sein Auftritt im Parlament zeigte, dass er offensichtlich nicht vorhat, sich in die innenpolitischen Reformversuche seines Bruders einzumischen. Ihn interessieren die ganz großen Fragen, der Weltschmerz und die Atomkriege. Und der zweite Band seiner Memoiren will auch erst noch geschrieben werden.

Aber wenigstens sind die Feiern für ihn so opulent, als wäre er nie aus dem Präsidentenpalast ausgezogen.

vme