Chemie-Ali gefasst Saddams treuer Schlächter
Hamburg - Madschid gilt als der meistgehasste Mann im Irak. Wegen von ihm angeordneten Giftgaseinsätzen kam er zu seinem Beinamen "Chemie-Ali".
Im April - während des Irak-Krieges - hatten die USA zunächst angenommen, er sei bei einem Bombenangriff auf Basra ums Leben gekommen. Wenig später wurden entsprechende Meldungen dann aber zurückgenommen. Das US-Zentralkommando änderte den Status des Generals von "tot" auf "unbekannt".
In der Fahndungsliste des amerikanischen Verteidigungsministeriums wurde "Chemie-Ali" als Pik-König geführt. Unter den 55 meistgesuchten Vertretern des Saddam-Regimes stand er an fünfter Stelle.
Nähere Informationen über den Ort oder die Umstände seiner Verhaftung sind bislang nicht bekannt. CNN berichtete unter Berufung auf Pentagon-Kreise lediglich, er sei bereits seit einigen Tagen im US-Gewahrsam.
Die US-Streitkräfte nahmen unterdessen weitere Angehörige und Vertraute des gestürzten Staatschefs Saddam Hussein gefangen. Sie seien am späten Mittwochabend bei einer Razzia in Bakuba, 70 Kilometer nordöstlich von Bagdad, gefasst worden, sagte Generalmajor Ray Odierno am Donnerstag in Tikrit. Zur genauen Zahl und zur Identität der Festgenommenen wollte er keine Angaben machen.
Saddam Hussein habe sich nicht in Bakuba aufgehalten, sagte Odierno weiter: "Er wird weiter ständig umziehen müssen, oder wir werden ihn fangen." Saddam Hussein bewege sich vermutlich im so genannten sunnitischen Dreieck, einer Region westlich und nördlich von Bagdad, erklärte Odierno vor Journalisten.
Einsatz von Gas
Bis zur Revolution 1968 war Madschid ein einfacher Motorradkurier. Sein Aufstieg begann mit dem seines Vetters. Ali Hassan al-Madschid wurde über die Jahre zu einem der treuesten Helfer von Saddam Hussein.
Im März 1987 ernannte Saddam den Cousin väterlicherseits zum Gouverneur im Nordirak. Kurze Zeit später begann al-Madschid einen brutalen Kampfeinsatz, genannt "Operation Anfal". Mit chemischen Waffen und konventionellen Bomben vertrieben die irakischen Streitkräfte die kurdische Bevölkerung aus ihren Dörfern im Nordirak. Wenig später setzte die Armee nach, um jeden zu töten, der die ersten Angriffe überlebt hatte.
Ein Jahr später befahl al-Madschid den berüchtigten Überfall auf die kurdische Stadt Halabdscha. Es wurden verschiedene Giftbomben eingesetzt, die mindestens 5000 Kurden töteten. Eben dieser Anschlag brachte ihm den Namen "Chemical-Ali" ein.
1989, am Ende seines Feldzugs, waren etwa 200.000 Kurden tot und ungefähr 1,5 Millionen vertrieben. Weite Landstriche Kurdistans waren durch den Einsatz chemischer Waffen verwüstet und ungefähr 4000 Gemeinden zerstört.
Vor dem ersten Golfkrieg wurde al-Madschid kurze Zeit Saddam Husseins Gouverneur im besetzten Kuweit. Nach dem Krieg leitete er die blutige und grausame Niederschlagung der Schiiten-Aufstände bei der Hafenstadt Basra.
Verräter persönlich enthauptet
Gegenüber dem Diktator verhielt sich al-Madschid stets absolut loyal. Als Mitglied des Revolutionären Kommandorats übte er wesentlichen Einfluss aus und saß bei Zusammenkünften häufig direkt an der Seite des ehemaligen Staatschefs.
Von 1991 bis 1995 war Madschid Innen- und Verteidigungsminister in Personalunion. Ende der neunziger Jahre wurde sein Name vor allem im Zusammenhang mit brutalen Aktionen gegen Abtrünnige des Regimes genannt. So soll er zwei Angehörige einer Spezialeinheit wegen Geheimnisverrats öffentlich und mit eigener Hand enthauptet haben.
Angeblich hat al-Madschid auch die beiden Schwiegersöhne Saddams persönlich exekutiert. Sie hatten sich in den Westen abgesetzt und wurden 1996 mit einem Amnestie-Versprechen nach Bagdad zurückgelockt.
Im zweiten Golfkrieg bekam al-Madschid von Saddam Hussein den Auftrag, den Südirak gegen Amerikaner und Briten zu verteidigen. Damit hatte er jedoch nur kurze Zeit Erfolg.