Chile: Wird das Verfahren gegen Pinochet eingestellt? - DER SPIEGEL
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Chile Wird das Verfahren gegen Pinochet eingestellt?

Das Strafverfahren gegen den früheren chilenischen Diktator Augusto Pinochet sollte aus Gesundheitsgründen eingestellt werden. Dafür hat sich Staatsanwalt Raul Rocha in einem Bericht an das Gericht in der Hauptstadt Santiago ausgesprochen.
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Santiago de Chile - Pinochet steht wegen seiner Verstrickung in 57 Morde und 18 Entführungen kurz nach dem Militärputsch im September 1973 unter Anklage. Seine Verteidiger fordern, das Verfahren einzustellen.

Nach chilenischen Gesetzen ist jedoch nur dann von einem Prozess abzusehen, wenn ein Angeklagter unter Demenz leidet, das heißt in seinen geistigen Fähigkeiten stark eingeschränkt ist, oder als verrückt bezeichnet werden muss.

Zu Anfang des Jahres war Pinochet viertägigen medizinischen und psychologischen Tests unterzogen worden. Dabei war festgestellt worden, dass der 85-Jährige unter einer "leichten oder moderaten Demenz" auf Grund früherer Hirninfarkte leide. Ob das Verfahren deshalb eingestellt werden müsste, ist umstritten. Rocha begründete seine Empfehlung mit dem in der Verfassung verankerten Recht eines jeden Menschen auf Leben.

Rocha war im April vom Gericht mit der Ausarbeitung eines Berichts zum Fall Pinochet beauftragt worden. Seine Empfehlung hat keine bindende Wirkung, wurde aber als Indiz für eine mögliche Entscheidung der Richter zu Gunsten des Angeklagten gewertet.

Pinochets Rechtsanwalt Pablo Rodriguez Grez äußerte sich zufrieden über den Bericht und sagte ein baldiges Ende des Verfahrens gegen seinen Mandanten voraus. Einer der Anwälte von Klägern, Hugo Gutierrez, kritisierte hingegen, Pinochet stehe erneut über dem Gesetz. Zugleich zeigte er sich überzeugt, dass die Richter nicht im Sinne des Berichts entscheiden würden.