Jahrestag des Tiananmen-Massakers China riegelt Platz des Himmlischen Friedens ab
Chinesische Soldaten am Platz des Himmlischen Friedens: Erinnerung nicht erwünscht
Foto: Kevin Frayer/ Getty ImagesPeking - Zum Jahrestag des Tiananmen-Massakers gelten in China strenge Sicherheitsbestimmungen. Polizei und Armee haben am Mittwoch den Platz des Himmlischen Friedens zu großen Teilen abgeriegelt. Auch umliegende Straßen wurden gesperrt. Die chinesische Führung versucht so, jedes öffentliche Gedenken an die gewaltsame Niederschlagung der Proteste 1989 zu verhindern.
Insbesondere ausländische Medien wurden vom Platz ferngehalten. So berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, einer ihrer Journalisten sei mehrere Stunden von der Polizei festgehalten worden, nachdem er über den Jahrestag berichten wollte. Nur Touristen durften den Platz noch betreten.
Bereits in den vergangenen Tagen hatten Polizisten und Soldaten Kontrollpunkte rund um den Platz im Pekinger Stadtzentrum errichtet und scharfe Personenkontrollen durchgeführt. Zahlreiche Oppositionelle wurden festgenommen oder unter Hausarrest gestellt.
Tiananmen-Massaker: China fürchtet neue Proteste
Zugleich wurden im Internet Verweise auf das Massaker vor 25 Jahren zensiert. So war Google zwischenzeitlich fast vollständig blockiert und auch Meldungen beim beliebten Kurznachrichtendienst Weibo wurden gelöscht. Allein vage Anspielungen auf das Datum der Proteste wie "64" für den 4. Juni oder auch "63+1" sind Grund genug für eine Löschung. Man verwalte das Internet "gemäß dem Gesetz", kommentierte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums die Sperren.
Organisationen wie Amnesty International und Reporter ohne Grenzen kritisieren die Repressionen scharf. Die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses des EU-Parlaments, Barbara Lochbihler, beklagte: "Die Vertuschungspolitik der chinesischen Regierung hat sich in den 25 Jahren seit dem Tiananmen-Massaker kaum verändert. Im Gegenteil: Das diesjährige Vorgehen der Behörden ist von besonderer Härte geprägt."
1989 protestierten Studenten auf dem Platz wochenlang friedlich für demokratische Reformen. Am 3. und 4. Juni ließ die chinesische Führung Panzer aufrollen und den Protest niederschlagen. Die Stadtverwaltung von Peking sprach danach von 241 Toten. Menschenrechtsorganisationen gehen von bis zu mehreren tausend Toten aus. Die genaue Zahl der Todesopfer ist bis heute unbekannt.