China Prominenter Bürgerrechtler verschollen
Peking - Gao Zhisheng galt als Anwärter auf den Friedensnobelpreis. Er setzte sich für Minenarbeiter ein, die von der Regierung Entschädigung forderten; er protestierte gegen die Verfolgung der religiösen Falun-Gong-Bewegung; er verteidigte Dissidenten. Der chinesische Anwalt war unbequem. Dann wurde er im Februar 2009 festgenommen - nicht das erste Mal.
Doch nun ist der bekannte Verteidiger auf mysteriöse Weise verschollen. Laut der in den USA ansässigen Menschenrechtsgruppe ChinaAid sei der Familie erklärt worden, dass der Dissident seit September vermisst würde. Die Polizei hatte dem Bruder gesagt, Gao habe sich angeblich bei einem Spaziergang verlaufen.
Das wollen Menschenrechtsorganisationen und Anwälte nicht glauben - sie zeigten sich sehr besorgt. "Es ist nicht zu glauben, dass ein Hochsicherheitsgefangener auf einem 'Spaziergang' verloren geht, ohne dahinter ein Vertuschungsmanöver zu vermuten", sagte Bob Fu von ChinaAid. Es sei inakzeptabel, dass die Polizei ihren eigenen Gefangenen "verliert", sagte Fu. "Wir haben allen Grund zu vermuten, dass die chinesische Regierung hier etwas zu verschweigen hat." Die Familie habe ein Recht zu erfahren, was mit ihm geschehen sei. ChinaAid befürchtet, dass der Anwalt in Haft gefoltert und getötet worden sein könnte.
Auch die USA haben sich "sehr besorgt" über das Schicksal Gaos geäußert. Man habe den Fall des Anwalts schon Ende des Jahres bei chinesischen Stellen zur Sprache gebracht, sagte die Sprecherin der US-Botschaft in Peking, Susan Stevenson am Montag. Die chinesischen Behörden wollten sich nicht äußern.
Gao war einst Mitglied der Kommunistischen Partei. Er schrieb öffentliche Briefe an die Partei, in denen er gegen die Verfolgung der Falun Gong protestierte. Er vertrat Opfer von Enteignungen und der restriktiven Familienplanungspolitik, teils ohne Geld von den mittellosen Klägern zu verlangen.
Ende 2005 trat er aus der Partei aus, die er für Gewaltakte gegen das eigene Volk verantwortlich machte. Daraufhin wurde ihm Berufsverbot erteilt, und nach einer Welle von Einschüchterungen wurde er in Peking inhaftiert und gefoltert. Im Gefängnis trat Gao in den Hungerstreik und schrieb an seiner Autobiografie "Ein gerechteres China". Im späteren Prozess verwandelte das Gericht seine dreijährige Haftstrafe in Hausarrest. 2007 schrieb Gao einen Brief an den US-Kongress, in dem er aufgrund der Menschenrechtslage von den Olympischen Spielen abriet.
Weitere Schriftsteller und Kritiker festgenommen
Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der Generalsekretär eines chinesischen Schriftstellerverbands festgenommen wurde. Die Polizei habe das Haus durchsucht, Computer und Dokumente beschlagnahmt und ihren Mann mitgenommen, sagte seine Ehefrau. Zhao ist Generalsekretär des unabhängigen chinesischen Pen-Zentrums und einer der Unterzeichner der kritischen "Charta 08", einem Appell für politische Reformen in China.
Diese Charta hatte auch Liu Xiaobo unterzeichnet. Wie gefährlich es für Regimekritiker ist, ihre Meinung zu äußern, zeigt sein Fall. Ende Dezember wurde der Schriftsteller zu elf Jahren Haft verurteilt - wegen einiger kritischer Texte.