China "Starker Unmut" über US-Regierungsbeamte
Peking - Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, es gebe keine Chance mehr, dass der Pilot Wang Wei noch lebend gefunden werden könnte. Die chinesische Regierung wies die Vorwürfe der USA zurück, der Pilot habe den Zwischenfall provoziert. Vielmehr sei es die amerikanische Seite gewesen, die die Kollision verursacht habe.
Unmut über US-Regierungsbeamte
Die Sprecherin des Außenministeriums, Zhang Qiyue, machte Chinas "starken Unmut über unverantwortliche Äußerungen einiger hoher US- Regierungsbeamter" deutlich. Die amerikanische Seite "verwechselt richtig und falsch unter Missachtung der Tatsachen und beschuldigt selbst fälschlicherweise die chinesische Seite".
Die Sprecherin des Außenministeriums sagte, "die chinesische Seite ist das Opfer, während die amerikanische Seite den Zwischenfall verursacht hat". Washington versuche, der Verantwortung auszuweichen. "Wir haben genug Beweise, dass das amerikanische Flugzeug gegen Flugregeln verstoßen hat, indem es plötzlich in einem weiten Winkel auf das normal fliegende chinesische Flugzeug abgedreht ist, es rammte und beschädigte, was zum Verlust des chinesischen Piloten führte."
Angelegenheit noch nicht beendet
Nach der Freilassung der Crew sei die Angelegenheit noch nicht beendet, sagte die Sprecherin. Die USA müssten die volle Verantwortung tragen und Maßnahmen ergreifen, um eine Wiederholung eines solchen Zwischenfalls zu vermeiden.
Beide Seiten wollen am Mittwoch zusammenkommen, um über die Rückgabe des auf der südchinesischen Insel Hainan notgelandeten amerikanischen Flugzeugs zu verhandeln.
Amerikaner drängen auf Herausgabe des Flugzeugs
ie USA dringen unterdessen darauf, ihr Aufklärungsflugzeug zurückzubekommen. US-Außenminister Colin Powell sagte im irischen Shannon: "Es ist unser Flugzeug, und wir wollen es zurückhaben." Sein Stellvertreter Richard Armitage sagte, die Chinesen seien nach seiner Ansicht verpflichtet, die Maschine zurückzugeben.
"Es ist ein 80 Millionen Dollar teures Flugzeug", begründete Armitage die Forderung nach Rückgabe der Maschine." Die mit hoch empfindlichen elelektronischen Geräten zu Aufklärungszwecken ausgerüstete Maschine war bei der Kollision mit einem chinesischen F-8-Abfangjäger am 1. April stark beschädigt worden.
US-Präsident George Bush hatte am Donnerstag nach der Rückkehr der von China freigelassenen Besatzung des Aufklärungsflugzeugs angekündigt, es würden bei den Gesprächen mit China "harte Fragen" über den Hergang der Kollision gestellt werden. Der Aufklärer steht seit der Notlandung am 1. April auf dem Militärflughafen der chinesischen Insel Hainan. Die USA hatten unmittelbar nach dem Vorfall die Maschine als ihr "Territorium" bezeichnet und den Chinesen ausdrücklich untersagt, an Bord zu gehen und die Elektronik zu inspizieren.
Rumsfeld: China für Luftzwischenfall verantwortlich
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld machte unterdessen den chinesischen Piloten für die Kollision verantwortlich. Rumsfeld sagte in Washington, der Pilot habe sich zweimal "aggressiv" der langsamer fliegenden Turboprop-Maschine genähert, bevor er mit seiner Maschine in einen der Propeller des US-Flugzeugs geraten sei. Bei der Kollision sei der Abfangjäger auseinander gebrochen, sagte Rumsfeld. Die EP-3 der Amerikaner habe bei dem Zusammenprall die Bugkappe verloren. Außerdem sei ein zweiter Propeller beschädigt worden. Dessen Splitter hätten sich durch die Außenhaut des Flugzeugs gebohrt.
Nicht alle geheimen Daten vernichtet
Ihm sei berichtet worden, die Crew des Aufklärers habe nach der Kollision etwa 25 bis 30 Mal versucht, das Notsignal "Mayday" und andere Notsignale zu funken, um die Welt und den Flughafen auf der chinesischen Insel Hainan davon zu unterrichten, dass die Maschine dort notlanden müsse. "Als sie dort landeten, wurden sie von bewaffneten Soldaten begrüßt", sagte Rumsfeld. "Deshalb kann ich davon ausgehen, dass die Leute auf dem Flugfeld wussten, dass sie kommen würden." Vor der Notlandung konnte die Besatzung nicht alle geheimen Programme und Ausrüstungsgegenstände an Bord vernichten, wenn auch nach den Worten Rumsfelds "einen bedeutenden Teil". US-Außenminister Powell geht davon aus, dass die Chinesen inzwischen das gesamte Flugzeug bei ihren Untersuchungen auf den Kopf gestellt hätten.
Die 24-köpfige Besatzung des US-Aufklärers erstattete Militärvertretern am Karfreitag auf Hawaii Bericht über den Lufzwischenfall vor Hainan. Am Samstagabend wurden die 21 Männer und drei Frauen auf ihrer Heimatbasis in Whidbey Island, rund 65 Kilometer von Seattle entfernt, zurückerwartet.