China und USA Droht eine neue Eiszeit ?
US-Präsident George W. Bush warnte Peking, der Zwischenfall habe das Potenzial, den Beziehungen beider Staaten zu schaden. US-Außenminister Colin Powell lehnte eine von China geforderte Entschuldigung wegen der Kollision der US-Maschine mit einem chinesischen Abfangjäger ab. In Peking wurde am Mittwoch der US-Botschafter ins Außenministerium einbestellt.
Bush forderte China in Washington zum zweiten Mal nachdrücklich auf, die auf der südchinesischen Insel Hainan festgehaltene Maschine und ihre 24-köpfige Besatzung sofort herauszugeben. Der Zwischenfall könne "unsere Hoffnungen auf künftige fruchtbare Beziehungen unterhöhlen", warnte der Präsident. Bush teilte mit, dass die Besatzung bei guter Gesundheit sei. "Sie sind nicht verletzt und misshandelt worden."
Powell gegen US-Entschuldigung
Powell forderte China ebenfalls zur Übergabe der Crew auf und sagte am späten Dienstagabend: "Es gibt bereits jetzt einen gewissen Schaden. Die chinesische Reaktion auf all dies ist unangemessen und unehrenhaft." Nach den Worten des Außenministers befindet sich die Besatzungsmitglieder in chinesischem "Gewahrsam". "Sie werden ohne jede Verbindung zur Außenwelt festgehalten, unter Umständen, die ich für nicht akzeptabel halte." Eine Entschuldigung für den Luftzwischenfall über dem Südchinesischen Meer, lehnte Powell ab.
Chinas Staatspräsident Jiang Zemin verlangte dagegen erneut, die USA sollten sich für den Vorfall entschuldigen. Die USA trügen die volle Verantwortung, erklärte er vor seinem Abflug nach Lateinamerika. Das US-Militär beharrt darauf, dass sich das Flugzeug vom Typ EP-3E auf einer Routinemission in internationalem Luftraum befand, als es am Sonntag mit einem chinesischen Kampfflugzeug zusammenstieß und auf der chinesischen Insel Hainan notlanden musste.
Sanktionen als Druckmittel
In dem Konflikt wurden im Weißen Haus auch Sanktionen gegen China nicht länger ausgeschlossen. So wurde eine Absage des für Oktober geplanten Bush-Besuchs in Peking erwogen. Auch über einen Abzug von US-Diplomaten werde beraten. Dies seien aber alles nur erste Überlegungen, betonten Mitarbeiter des Weißen Hauses.
Für Aufsehen in den USA sorgten Meldungen, nach denen die Chinesen aus der Maschine hochgeheime Aufklärungsgeräte entfernt haben sollen. Geheimdienstliche Erkenntnisse wie Fotos von Spionagesatelliten deuteten darauf hin, berichteten US-Medien unter Berufung auf Pentagon-Kreise.
Nach Informationen des Nachrichtensenders CNN konnte die Crew vor der Notlandung in China jedoch alle brisanten Dateien und Computer vernichten. Dies ist bei allen Notfall-Situationen während Aufklärungsflügen Pflicht. Allerdings war die Maschine bei der Kollision an der Nase und an den Propellern stark beschädigt worden, so dass der Besatzung nur wenig Zeit bis zur Notlandung blieb. Deshalb war zunächst befürchtet worden, dass die Crew die Anlagen nicht zerstören konnte.