Chronik: Stationen der Herrschaft Castros - DER SPIEGEL
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Chronik Stationen der Herrschaft Castros

Fast 50 Jahre lang hat Staats- und Regierungschef Fidel Castro unumstritten über Kuba geherrscht. Er überdauerte nicht weniger als neun US-Präsidenten, die ihn zumeist loswerden wollten. Jetzt kündigte er seinen Rückzug von der Macht an. SPIEGEL ONLINE dokumentiert wichtige Stationen seiner Amtszeit:
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

1959

1. Januar - Machtübernahme: Castro und seine revolutionäre Gruppe, die "Bewegung des 26. Juli", übernehmen nach der Flucht von Diktator Fulgencio Batista die Macht. Zwei Umsturzversuche 1953 und 1956 waren zuvor gescheitert.

Februar: Castro erklärt sich zum Premierminister Kubas. In den folgenden Jahren festigt er seine Macht mittels Zensur und Repressionen. Die Industrie wird verstaatlicht, Großgrundbesitz in staatliche Kooperativen überführt.

1960

8. Mai - Kuba und die Sowjetunion: Die UdSSR und Kuba nehmen ihre diplomatischen Beziehungen wieder auf.

1961

3. Januar - "Kanonendiplomatie": Die USA brechen ihre diplomatischen Beziehungen zu Kuba ab.

17. -19. April - "Schweinebuchtinvasion": 1400 bewaffnete Exil-Kubaner landen in der Schweinebucht und werden dort von den kubanischen Streitkräften vernichtend geschlagen. Der von der US-Regierung unterstützte Umsturzversuch scheitert.

1. Mai: Castro bekennt sich offiziell zum Marxismus-Leninismus. Bei der CIA gibt es unterdessen erstmals Attentatspläne gegen Castro. Kubanischen Angaben zufolge soll der amerikanische Geheimdienst insgesamt mehr als 600 Mal versucht haben, Castro zu ermorden. 

1962

3. Februar: Die US-Regierung verhängt ein Wirtschaftsembargo über Kuba. Erst 1999 wird es erstmals gelockert.

22.-28. Oktober - Kuba-Krise: Während der Kuba-Krise steht die Welt am Abgrund eines Atomkrieges. Anlass ist die Stationierung von russischen Atomraketen in Kuba. Die USA unter Präsident John F. Kennedy starten darauf eine Seeblockade. Moskau zieht seine Waffen schließlich wieder ab.

1975

Oktober: Die kubanische Armee unterstützt die angolanische Regierung beim Kampf gegen die von den USA geförderte Rebellenbewegung Unita. Die kubanischen Truppen bleiben 16 Jahre im Land.

1976

Dezember: Die Nationalversammlung wählt Castro zum Vorsitzenden des Staatsrates, Castro ist Staatspräsident.

1980

14. April - 5. Oktober: Mehr als 120.000 Kubaner fliehen über den Hafen Mariel in die Vereinigten Staaten.

1990/91

Der Zusammenbruch des engen Verbündeten Sowjetunion führt Kuba in eine schwere wirtschaftliche Krise.

1994

5. August: In Havanna gibt es zum ersten Mal seit der Revolution Unruhen. Mehr als 37.000 Kubaner verlassen auf Flößen und Booten in der Folge das Land.

1998

21. Januar: Papst Johannes Paul II. besucht Kuba.

1999

November - Elián Gonzales-"Entführung": Zwischen den USA und Kuba entbrennt ein heftiger Streit um einen sechs Jahre alten kubanischen Jungen, der vor der US-Küste gerettet und an Land gebracht wird. Der Commandante organisiert Massenproteste gegen die angebliche Entführung des Jungen, dessen Mutter bei dem Fluchtversuch im Meer ertrank. Nach wochenlangem Tauziehen kehrt Elián doch nach Kuba zu seinem Vater zurück.

2003

18.-20. März: 75 Oppositionelle werden nach Schnellprozessen zu Gefängnisstrafen zwischen 6 und 28 Jahren verurteilt.

5. Juni: Die EU verhängt diplomatische Sanktionen.

2006

31. Juli: Castro übergibt wegen einer Darmoperation zum ersten Mal in seiner Amtszeit die Regierungsgeschäfte an seinen Bruder Raúl. Dieser war bis dahin als Verteidigungsminister und stellvertretender Vorsitzender des Staatsrates offiziell die Nummer zwei in der kubanischen Führung.

2007

17. Dezember: Castro deutet einen Rückzug an - er wolle Jüngeren den Weg nicht versperren.

2008

19. Februar: Castro verkündet seinen Rücktritt.

aci/AFP