Chronik Zwischen Hoffen und Bangen
Hamburg - Seit mehr als zehn Wochen befinden sich die sächsischen Ingenieure René Bräunlich und Thomas Nitzschke im Irak in Geiselhaft. Hier eine Chronik der Ereignisse:
24. Januar 2006: In der nordirakischen Stadt Beidschi werden die Techniker aus dem Raum Leipzig von bewaffneten Männern verschleppt. René Bräunlich und Thomas Nitzschke arbeiten für den Anlagenbauer Cryotec aus Bennewitz bei Wurzen.
27. Januar: Ein drei Tage altes Video, das der Sender al-Dschasira ausstrahlt, ist das erste Lebenszeichen der beiden jungen Männer. Darin rufen Bräunlich und Nitzschke die Regierung in Berlin auf, alles zu tun, um ihre Freilassung zu erreichen. Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilt die Entführung und fordert die sofortige Freilassung.
29. Januar: Bei einem Gottesdienst in der Leipziger Nikolaikirche wird ein Gebet für die Entführten gesprochen.
31. Januar: Die Kidnapper drohen mit der Ermordung ihrer Geiseln und stellen ein Ultimatum von 72 Stunden. Ihre Forderungen: Schließung der deutschen Botschaft in Bagdad, Abzug aller deutschen Firmen und Ende der Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung.
1. Februar: Das Unternehmen Cryotec appelliert an die Entführer, die Geiseln frei zu lassen.
2. Februar:Die Mütter von Thomas Nitzschke und René Bräunlich bitten die Geiselnehmer um Gnade für ihre Söhne.
3. Februar: Kurz vor dem mutmaßlichen Fristablauf appellieren Bundespräsident Horst Köhler, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und der Pfarrer der Leipziger Nikolaikirche, Christian Führer, an die Entführer, die Gefangenen frei zu lassen.
8. Februar: Cryotec wendet sich per Videobotschaft direkt an die Entführer.
12. Februar: Am 32. Geburtstag von René Bräunlich lässt dessen Fußballmannschaft im MDR eine Botschaft an die Entführer ausstrahlen.
13. Februar: Die Entführer drohen in einem Video erneut mit der Tötung ihrer Geiseln, setzen aber keine Frist für die Erfüllung ihrer Forderungen. Bräunlich und Nitzschke bitten die Bundesregierung, ihr Leben zu retten. Der Krisenstab im Auswärtigen Amt hat noch immer keinen Kontakt zu den Entführern.
28. Februar: Bundespräsident Horst Köhler tritt Befürchtungen entgegen, die im Irak entführten Ingenieure seien in Vergessenheit geraten: "Hier gerät nichts in Vergessenheit."
21. März: Bundeskanzlerin Angela Merkel versichert, der Krisenstab tue alles, um die Geiseln zu retten. Ansonsten hüllt sich die Bundesregierung in Schweigen. Steinmeier: "Es geschieht zum Schutz der Entführten, wenn wir über Details und Hintergründe unserer Bemühungen keine weitere Auskunft geben." 27. März: An der inzwischen 17. Mahnwache für die Gefangenen in Leipzig nehmen mehr als 500 Menschen teil.
9. April: Entführer von der militanten Gruppe Saraya al Mudschahedin, Tawid und Sunna Brigade, schicken über Internet ein "letztes Ultimatum". Auf einem Video-Clip sind nach einer arabischen Schrifttafel Nitzschke und Bräunlich in weißen Anzügen zu sehen. Beide haben Bärte. Nur Nitzschke spricht: "Wir sind jetzt seit über 60 Tagen hier gefangen. Wir sind am Ende unserer Nerven. Bitte helfen Sie uns. Wir halten es nicht mehr länger aus. Bitte helfen Sie uns." Die Aufnahme zeigte nur die Köpfe. Es war nicht zu sehen, ob sie gefesselt waren.
asc/AP