Das Votum: Wer wählte wen? - DER SPIEGEL
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Das Votum Wer wählte wen?

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - George W. Bush hat bei den weißen Amerikanern, bei den Männern und in den vermögenden Familien die meisten Stimmen gewonnen - Al Gore hingegen erreichte vor allem die Schwarzen und die Bürger mit lateinamerikanischer Herkunft sowie Frauen und Familien mit einem Jahreseinkommen von weniger als 30.000 Dollar (68.000 Mark). Dies sind die Kernergebnisse von Umfragen im Anschluss an die Stimmabgabe bei der Präsidentenwahl vom Dienstag.

Eine wichtige Rolle spielte offenbar auch der Familienstand: Wer verheiratet ist und Kinder hat, entschied sich eher für Bush. Unter den Singles hingegen hatte Gore deutlich mehr Anhänger. Interessant sind auch die konfessionellen Unterschiede: Bush sicherte sich den Wählernachfragen zufolge die Mehrheit bei den Protestanten. Gore wurde von den amerikanischen Juden und von denen bevorzugt, die sich mit keiner Religionsgemeinschaft identifizieren. Geteilt war die Anhängerschaft unter den Katholiken. Aber generell gilt: Je häufiger jemand zum Gottesdienst geht, desto wahrscheinlicher hat er oder sie am Dienstag für Bush gestimmt.

Etwa jeder zweite Wähler bezeichnete sich als "politisch gemäßigt". Von den übrigen waren nach eigener Einschätzung mehr konservativ (33 Prozent) als liberal (19 Prozent). Einer von vier Wählern ist Gewerkschaftsmitglied - bei ihnen erreichte Gore eine solide Mehrheit. Gore schnitt offenbar besser bei denjenigen Amerikanern ab, die sich erst in der letzten Woche vor der Abstimmung entscheiden konnten.

Sachthemen wichtiger als Persönlichkeit

Wahlentscheidende Themen waren die Steuern und die Außenpolitik der USA - bei diesen beiden Problemfeldern konnte Bush mehr Punkte machen als der amtierende Vizepräsident Gore. Dieser gewann hingegen die Wähler, für die Gesundheitsversorgung, soziale Sicherheit, Wirtschaft und Bildung am wichtigsten waren. Nach eigener Schätzung ließen sich die Wähler mehr von Sachthemen als von der Persönlichkeit der Kandidaten leiten. Allerdings gaben auch mehr Wähler an, dass sie Bush für aufrichtiger und vertrauenswürdiger hielten als Gore.

Schließlich spielte auch die achtjährige Regierungszeit des Demokraten Bill Clinton eine Rolle bei der Wahlentscheidung. Etwas mehr als die Hälfte der Wähler gab an, die Skandale des Präsidenten hätten ihre Wahlentscheidung nicht beeinflusst. Die andere Gruppe jedoch stimmte mit großer Mehrheit für Bush. Sieben von zehn Bush-Wählern bezeichneten die Affären Clintons als politisch wichtige Sache. Jeder dritte Bush-Wähler wollte denn auch das eigene Stimmverhalten als Opposition gegen Clinton verstanden wissen.

Und was soll der neue Präsident als erstes tun? Drei von zehn Wählern sagen, am wichtigsten seien Verbesserungen im Bildungswesen. Jeder vierte will zuerst Steuerkürzungen sehen und ein weiteres Viertel wünscht sich an erster Stelle eine Stärkung der sozialen Sicherheit. Die Erhebung beruht auf Interviews mit mehr als 8000 Wählern im Anschluss an ihre Stimmabgabe.

Laura Meckler, AP