Demonstration im Libanon: Wütende Proteste gegen Syrien - DER SPIEGEL
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Demonstration im Libanon Wütende Proteste gegen Syrien

Im Libanon lassen Tausende ihrer Wut über die Ermordung des christlichen Ministers Gemayel freien Lauf. Anhänger des anti-syrischen Politikers trugen den Sarg mit dem Toten zum Stammsitz seiner Familie. Dabei skandierten sie: "Tod für Syrien".
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Bikfaja - Die Anhänger des zur christlichen Minderheit gehörenden ermordeten libanesischen Industrieministers Pierre Gemayel brachten den Leichnam des Getöteten zum Stammsitz seiner Familie in Bikfaja. Tausende von Menschen in schwarzer Kleidung säumten die Straßen in dem Bergdorf nordöstlich von Beirut.

Einige von ihnen riefen: "Den Tod für Syrien". Der Vater des Ministers, Ex-Präsident Amin Gemayel, rief die Trauergäste zur Besonnenheit auf. "Ich bitte Euch, Ruhe zu bewahren und verspreche Euch, dass sein Tod nicht ungesühnt bleiben wird", sagte er. Da Gemayel zur Koalition der anti-syrischen Kräfte gehört, hatten seine politischen Freunde automatisch Syrien für das Attentat verantwortlich gemacht.

Pierre Gemayel, 34, war gestern nördlich von Beirut von einem Unbekannten auf offener Straße erschossen worden. Die arabische Zeitung "al-Sharq al-Awsat" berichtet, der christliche Politiker habe seine Ehefrau Patricia in der vergangenen Woche aus Angst vor einem Attentat gebeten, mit den zwei Kindern vorübergehend ins Ausland zu reisen.

Die Ermordung des maronitischen Christen, der zur Regierungsmehrheit von Ministerpräsident Fuad Siniora gehörte, war das erste Attentat auf einen Angehörigen der anti-syrischen Bewegung im Libanon seit dem Mord an dem Journalisten Gibran Tueni im vergangenen Dezember. Gemayel soll morgen in Beirut beigesetzt werden. Seine Verbündeten haben ihre Anhänger aufgerufen, in großer Zahl zu der Beerdigung zu erscheinen.

Kein Vertrauen in Dialog mit Damaskus

Nach der Ermordung Gemayels sieht Frankreich die Wiederaufnahme eines umfassenden Dialogs mit Syrien in weite Ferne gerückt. Für Gespräche auf Ebene der Außenminister oder gar Staatschefs fehle es an Vertrauen gegenüber Damaskus, sagte der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy im Radiosender France Info. Die Ermordung Gemayels habe in Frankreich tiefe "Ergriffenheit" ausgelöst. Das Attentat sei ein Anschlag "auf die Souveränität und Unabhängigkeit des Libanon", sagte Douste-Blazy, ohne Syrien und dessen libanesische Verbündete direkt für den Mord verantwortlich zu machen.

"Ich hüte mich natürlich davor, zum jetzigen Zeitpunkt Schuldige zu benennen", sagte Douste-Blazy. Nach mehreren vergleichbaren Anschlägen könne sich aber "jeder eine Meinung bilden". Der Außenminister begrüßte den Beschluss des Uno-Sicherheitsrates von gestern Abend zur Untersuchung der Ermordung des ehemaligen libanesischen Regierungschefs Rafik al-Hariri durch ein internationales Tribunal. "Der Libanon ist heute Gegenstand einer Destabilisierung", sagte der Minister. "Wir müssen darauf mit größter Härte antworten."

Paris unterhält zwar diplomatische Beziehungen zu Damaskus, hat aber jegliche Kontakte auf höchstem Niveau seit dem Hariri-Anschlag im Februar 2005 eingestellt. "Man darf nie ein Land per se isolieren, außer wenn das Land sich selber isoliert", sagte Douste-Blazy.

asc/AFP/dpa

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