Dessima Williams, Grenada: Existenzkampf der Insulaner - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Dessima Williams, Grenada Existenzkampf der Insulaner

Ihre Botschaft ist die drastischste: Dessima Williams spricht in Kopenhagen für die Allianz der kleinen Inselstaaten, für die es um das nackte Überleben geht. Denn die Erderwärmung lässt die Meeresspiegel steigen und Stürme toben. Und das heißt für manche Inselnation: Land unter.
Von Johanna Rüschoff
Dessima Williams: "Negative Auswirkungen treffen die kleinen Inselstaaten bereits jetzt"
Dessima Williams: "Negative Auswirkungen treffen die kleinen Inselstaaten bereits jetzt"

Dessima Williams: "Negative Auswirkungen treffen die kleinen Inselstaaten bereits jetzt"

Foto: UN Photo
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Kamerabild wackelt, verschwommene Bilder rasen vorbei, zerstörte Häuser, Regen, Sturm. Dazu erklingt die Stimme von Dessima Williams: Der Wirbelsturm Ivan habe auf ihrer Heimatinsel Grenada 2004 eine Verwüstung angerichtet, die 204 Prozent des Bruttoinlandsprodukt entsprochen habe. "Wir haben noch nicht mal unser Parlament wieder aufbauen können", sagt Williams in dem Video, mit dem sie sich an die Verhandelnden der Klimakonferenz in Kopenhagen richtet.

Klimawandel

Die Frau mit dem strahlenden Lächeln und den eng an den Kopf anliegenden geflochtenen Zöpfen ist seit Februar dieses Jahres Sprecherin der Aosis (Alliance of Small Island States), in der sich 42 Inselstaaten zusammengeschlossen haben, die um ihre Zukunft fürchten. Für den Sturm, dessen Auswirkungen in dem Film zu sehen sind, machen sie den mit verantwortlich. Genauso wie für die zerstörerischen Wirbelstürme 2008 auf Fiji, 2008 und 2004 auf Haiti, 2005 auf den Cook Islands sowie 2004 auf Niue.

Die Inselstaaten haben Angst, dass ihnen durch die Folgen des Klimawandels die Existenzgrundlage genommen wird. Verwüstung durch Wirbelstürme ist nur ein Punkt unter vielen. Besonders der steigende Meeresspiegel bedeutet für die Nationen der Aosis eine akute Bedrohung. Manche Zwergstaaten wie die Malediven, die Bahamas oder Kiribati könnten buchstäblich untergehen. Gleichzeitig könnte salziges Meereswasser ins Grund- und damit ins Trinkwasser gelangen. Außerdem fürchten die Bewohner der Inselstaaten, für die das Meer oftmals auch Arbeitsplatz und Nahrungsquelle darstellt, wegen der Übersäuerung der Ozeane um ihre Korallenriffe und den Lebensraum für Meerestiere.

Erderwärmung

Deshalb geht es für sie beim Klimagipfel in Kopenhagen auch um mehr als für die meisten anderen. Ihre Liste mit eindringlichen Forderungen ist entsprechend lang. Der zentrale Punkt in der Aufzählung: Die dürfe im Vergleich zur vorindustriellen Zeit nicht um mehr als 1,5 Grad voranschreiten. Dessima Williams gibt dieser Forderung ein Gesicht. Ihr Heimatstaat Grenada hat rund 106.000 Einwohner überwiegend afrikanischer Abstammung. Williams tritt für ihre Interessen als ständige Vertreterin Grenadas bei der Uno ein. Sie hält einen Doktortitel von der American University in Washington und hatte bereits mehrere Gastprofessuren inne. Wenn sie spricht, hört man ihr zu.

"Botschafter des Planeten"

So auch auf einer Klimatagung in Bonn im April. Die elegante Frau auf dem Podium erklärt die Aosis lächelnd zum "Botschafter des Planeten". "Die negativen Auswirkungen einer sich erwärmenden Welt trifft die kleinen Inselstaaten bereits jetzt. Aber die destruktiven Folgen werden auch euren Weg bald kreuzen", warnt Williams. "Ihr" und "wir" - auch darum geht es hier. Wo sie auftaucht, erwähnt die Botschafterin das Ungleichgewicht der Kräfte: "Es kann nicht sein, dass nur reiche Nationen den Klimawandel überleben dürfen." Ausgerechnet diejenigen litten am meisten, die am wenigsten zu der Bedrohung beigetragen haben.

Unter den Mitgliedern der Aosis sind Zwergstaaten wie Niue im Südpazifik, rund 1440 Einwohner, oder Samoa mit einer Bevölkerung von 180.000 Menschen, dessen Präsident den klangvollen Namen Tuiatua Tupua Tamasere Efi trägt. Und es finden sich - neben bekannten Inseln wie Singapur, Jamaika oder den Malediven - Staaten wie Kiribati, Surinam und Vanuatu, die kaum ins Bewusstsein der Industrienationen dringen. Um das zu ändern, hat sich Dessima Williams auf den Weg zum Klimagipfel gemacht. Ihre Botschaft: "Am Überleben der kleinen Inselstaaten sollte das Ergebnis von Kopenhagen gemessen werden."