Detroit-Attentäter Obama bestellt Geheimdienste zum Krisengipfel ein
US-Präsident Obama, CIA-Chef Leon Panetta: Krisengipfel nach Terrorpanne
Foto: ? Jason Reed / Reuters/ REUTERSWashington - Die US-Geheimdienste waren gewarnt. Der Vater des Detroit-Attentäters Umar Faruk Abdulmutallab hatte die US-Behörden in Nigeria auf die Radikalisierung seines Sohnes hingewiesen, doch die Informationen wurden von den Geheimdiensten nicht entsprechend weitergegeben. So konnte Abdulmutallab über Weihnachten mitsamt Plastiksprengstoff eine US-Passagiermaschine besteigen - eine Fehlzündung und der mutige Einsatz eines Passagiers, der den Mann überwand, verhinderten schließlich eine Katastrophe.
US-Präsident Barack Obama, der den Diensten bereits einen schweren Rüffel erteilte, hat nun für kommende Woche zum Krisengipfel nach Washington geladen. Noch von seinem Urlaubsort in Hawaii aus, wo er das neue Jahr gefeiert hatte, ließ er eine schriftliche Erklärung verbreiten: Er werde sich am Dienstag persönlich mit den Leitern der relevanten Dienste treffen, um über die laufenden Überprüfungen der Sicherheitsvorkehrungen und über Verbesserungsmöglichkeiten zu sprechen. Ein Thema werde dabei sein, wie der Informationsaustausch von Heimatschutz und Terrorabwehr verbessert werden könne.
Für Obama ist der Gipfel auch der Versuch, den innenpolitischen Druck herauszunehmen. Die Arbeit der Terrorabwehr war nach dem missglückten Attentatsversuch des 23-jährigen Nigerianers, der aus einer wohlhabenden Familie stammt und in London studiert hat, massiv kritisiert worden. So erklärte denn auch Obama, er erwarte noch diese Woche erste Bewertungen mehrerer Geheimdienste, mit denen er sich über das Wochenende beschäftigen werde.
In dem vorläufigen Bericht dürfte nach Berichten von US-Medien dargelegt werden, welche Sicherheitslücken es Abdulmutallab erlaubten, mit Sprengstoff an Bord eines Transatlantikflugs zu gelangen. Auch der Informationsaustausch zwischen den 16 US-Geheimdiensten dürfte angesprochen werden.
Denn laut "New York Times" war es US-Agenten schon lange vor der missglückten Attacke bekannt, dass sich ein Nigerianer im Jemen auf einen Anschlag vorbereitete. Entsprechende Diskussionen von Qaida-Führern im Jemen habe die auf die Kommunikationsüberwachung spezialisierte Agentur NSA schon vor vier Monaten abgefangen. Allerdings sei es versäumt worden, dies mit anderen Informationen - insbesondere den Warnungen des Vaters des späteren Attentäters - abzugleichen, hieß es.
Prediger als Hintermann?
Im Visier der US-Dienste ist mittlerweile auch ein möglicher geistiger Vater des jungen Attentäters - Anwar al-Awlaki, ein radikaler islamischer Prediger. Es gebe zunehmend Belege, dass Awlaki, der in den USA geboren wurde, in Verbindung mit Abdulmutallab gestanden habe, der das Flugzeug in die Luft sprengen wollte, so das "Wall Street Journal".
Awlaki lebt im Jemen. Von dort soll er demnach auch Kontakt zu dem Amokläufer auf der US-Militärbasis Fort Hood in Texas gehabt haben. Der muslimische Major Nidal Malik Hasan hatte Anfang November dabei 13 Menschen erschossen. US-Geheimdienste haben dem Bericht zufolge Awlaki, der bis 2002 in einer Moschee im Norden des US-Bundesstaates Virginia predigte, bereits seit Jahren im Visier. Die genaue Art und der Umfang des Kontakts zwischen dem Prediger und Abdulmutallab sei allerdings unklar, berichtete die Zeitung weiter.