Nach Rückkehr von Bannon Breitbart bläst zur Attacke gegen Trump
Donald Trump und sein Ex-Chefstratege Stephen Bannon
Foto: Evan Vucci / dpaDer Ton ist aggressiv, die Überschrift spöttisch: Trump-Wähler unzufrieden mit "Zickzackkurs" in der Afghanistan-Politik , titelte die ultrarechte Nachrichtenseite Breitbart News am Dienstag. Es ist nur wenige Tage her, dass US-Präsident Donald Trump seinen Daumen senkte und Chefberater Stephen Bannon aus dem Weißen Haus entfernte. Der kehrte prompt an die Spitze der Breitbart-Plattform zurück.
Lange hofierte das Medium Trump und seine populistischen Thesen - doch plötzlich fällt die Seite ein vernichtendes Urteil über Trumps Afghanistan-Pläne. Alles Zufall?
Kurz bevor die Trump-kritische Überschrift auf der rechtspopulistischen Nachrichtenseite aufpoppte, hatte der Präsident sich am Montagabend zur Zukunft der amerikanischen Truppen in dem Krisenland geäußert - und damit viele überrascht. Statt weitere Truppen abzuziehen, könnten die Kontingente sogar aufgestockt werden, las Trump von seinem Teleprompter ab. "Wir werden angreifen", sagte Trump. Für viele konservative Beobachter kommt das einer drastischen Abkehr von den Wahlkampfversprechen Trumps gleich - und damit seinem "Amerika zuerst"-Postulat.
Afghanistan-Rede von Donald Trump
Foto: Joshua Roberts / REUTERSEntsprechend negativ ist die Berichterstattung auf der ultrarechten Seite: Statt eines anderen Ansatzes stelle Trump nur kleine Optimierungen an der derzeitigen Strategie vor, hieß es bei Breitbart. Und weiter: Die Rede sei eine Enttäuschung für viele gewesen , die während des Wahlkampfs Trumps Rufe nach einem Ende der ausländischen Kriegsintervention unterstützt hätten.
In einem anderen Artikel stellten die Autoren gar eine Verbindung zur Strategie von Amtsvorgänger Barack Obama her - und nahmen gleich noch einen Rivalen vom geschassten Bannon mit ins Visier: Sicherheitsberater H.R. McMaster: "Die Stimme McMasters: Ist Trumps Strategie noch anders als die von Obama?", lautete eine Überschrift. Und Breitbart-Redakteur Joel Pollak twitterte spöttisch: "Trumps Afghanistan-Rede war die Obama-Rede, nur ohne die Deadline und Details."
Trump's #Afghanistan speech was Obama's speech minus the deadline & details. Like the bit about Pakistan, not convinced we can deliver India
— Joel Pollak (@joelpollak) August 22, 2017
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Trumps Hofmedium rückt von ihm ab und verteilt Seitenhiebe. Tatsächlich hatte der Republikaner seinen Vorgänger Obama für dessen Afghanistan-Politik immer wieder harsch kritisiert. Insbesondere zwischen 2011 und 2013 hatte er den Krieg als Zeit- und Geldverschwendung abgetan. Nun sagt Trump plötzlich kleinlaut: Man treffe Entscheidungen eben anders, wenn man hinter dem Schreibtisch im "Oval Office" sitze.
Bannon als Gefahr für Trump
Trumps neuer Kurs ist eine Anlehnung an die Meinung der Militärs um den neuen Stabschef John Kelly, Sicherheitsberater McMaster und Verteidigungsminister James Mattis. Und er ist eine Abkehr von den radikalen Ansichten Bannons, der entschieden gegen eine Aufstockung der Truppen war, ganz im Sinne von "America First".
Beginnt nun Bannons Rachefeldzug?
Das lässt sich noch nicht eindeutig sagen. Klar ist nur, Trumps einstiger Einflüsterer wird weiter auf Eskalation und Provokation setzen. Das machte er schon Stunden nach seiner Demission im Weißen Haus deutlich. "Die Trump-Präsidentschaft, für die wir siegreich gekämpft haben, ist vorbei."
Und Trumps ehemaliger Chefstratege fand mit der Rückkehr zu Breitbart direkt wieder eine Plattform, auf der er seinen rechtspopulistischen Ideen Gehör verschaffen kann. Kurz nachdem seine Beratertätigkeit für Trump endete, leitete er schon wieder die Redaktionskonferenz. Dort hatte er schon zwischen 2012 und 2016 die Geschäfte geführt. "Ich habe meine Hände zurück an den Waffen. Ich verlasse das Weiße Haus und ziehe für Trump gegen seine Widersacher in den Krieg", sagte er.
Krieg für Trump - oder doch gegen ihn? Bannon sendet unterschiedliche Signale - die Linien zwischen Freund und Feind können schnell verschwimmen.
Zudem ist unklar, wie stark er schon wieder Einfluss auf die Redaktionslinie nimmt. Die aktuellen Berichte klangen aber nach einer Attacke auf Trump. Das zeigt sich auch beim Blick auf andere konservative Nachrichtenseiten wie Fox News oder National Review Online: Dort waren nüchterne Berichte zu lesen.