Nach Telefonat mit Witwe Trump eskaliert Streit um getötete US-Soldaten
Was unumstritten ist: Anfang Oktober starben vier US-Soldaten bei einem Einsatz in Niger. Einer davon ist David Johnson, er wurde 25 Jahre alt. Am Dienstag rief US-Präsident Donald Trump bei der Witwe des Verstorbenen an; Myeshia Johnson ist 24 Jahre alt, hat bereits zwei Kinder und ist im sechsten Monat schwanger. Über den Verlauf dieses Telefonats ist in Amerika nun allerdings ein hässlicher Streit entbrannt.
Trump soll während des Telefonats zur Witwe gesagt haben: "Er wusste, worauf er sich einlässt. Aber ich vermute, es tut trotzdem weh." So schildert es die demokratische Kongressabgeordnete Frederica Wilson. Sie habe während des Gesprächs mit Myeshia Johnson im selben Auto gesessen und das Telefonat über die Lautsprecherfunktion mitgehört. Die Witwe habe die ganze Zeit geweint, und als das Gespräch beendet war, habe sie gesagt: "Er hat sich nicht einmal an seinen Namen erinnert."
Bei Trump klingt das allerdings so: "Komplett erfunden" sei die Schilderung von Wilson, schrieb er am Mittwoch bei Twitter. "Und ich habe Beweise."
Democrat Congresswoman totally fabricated what I said to the wife of a soldier who died in action (and I have proof). Sad!
— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) October 18, 2017
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Beweise hat Trump bisher nicht vorgelegt. Von Reportern darauf angesprochen, sagte er wenig später im Weißen Haus über Wilson: "Lasst Sie ihre Erklärung noch einmal machen, dann werdet ihr sehen." Er habe nicht gesagt, "was diese Kongressabgeordnete behauptet". Er habe vielmehr "eine sehr nette Unterhaltung mit der Frau, mit der Ehefrau" geführt, sagte Trump. "Sie klang wie eine sehr nette Frau."
Auch Trumps Sprecherin Sarah Sanders warf der Demokratin Wilson vor, den Fall zu instrumentalisieren, ihre Schilderungen seien "ungeheuerlich und widerlich". Das Weiße Haus habe keine Aufzeichnungen des Gesprächs, sagte Sanders, solche Unterhaltungen seien privat. Es hätten aber mehrere Mitarbeiter das Gespräch Trumps mit der Witwe verfolgt. Sie hätten das Telefonat als "sehr respektvoll" beschrieben.
Bei der Mutter des getöteten Soldaten klingt das allerdings so: "Präsident Trump hat sich gegenüber meinem Sohn und meiner Tochter respektlos verhalten und auch gegenüber mir und meinem Ehemann", sagte Cowanda Jones-Johnson der "Washington Post" . Auch sie habe das Telefonat mit angehört. Die Aussagen der Kongressabgeordneten seien wahr.
Wilson bekräftigte via Twitter, dass sie zu ihren Aussagen über das Telefonat zwischen Trump und Myeshia Johnson stehe. "Das ist ihr Name, Mr Trump. Nicht 'die Frau' oder 'die Ehefrau'." In einer Mitteilung schrieb Wilson, für sie sei die Sache "persönlich, nicht politisch". Der gestorbene Soldat sei Teil ihrer Gemeinde gewesen.
I still stand by my account of the call b/t @realDonaldTrump and Myeshia Johnson. That is her name, Mr. Trump. Not "the woman" or "the wife"
— Rep. Frederica Wilson (@RepWilson) October 18, 2017
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Trump hatte in der Vergangenheit schon häufiger den Ärger von Angehörigen des US-Militärs und deren Familien auf sich gezogen.
- Nur kurz vor der jüngsten Kontroverse attackierte er seine Amtsvorgänger mit falschen Vorwürfen und kritisierte sie dafür, sich nicht ausreichend um die Familien gefallener US-Soldaten gekümmert zu haben.
- In dem daraus resultierenden Streit nutzte Trump eine persönliche Tragödie seines Chefberaters John Kelly, um seine eigenen umstrittenen Aussagen zu belegen: Kellys Sohn war 2010 in Afghanistan getötet worden, der Politiker will den Tod seines Sohnes aus der Öffentlichkeit heraushalten. Trump sagte aber in einem Interview: "Sie könnten General Kelly fragen, 'Hat er einen Anruf von Obama bekommen?'"
- Im Wahlkampf hatte sich Trump wiederholt mit Khizr Khan angelegt, dem Vater eines im Irak getöteten US-Soldaten. Khan trat beim Parteitag der Demokraten auf und erinnerte Trump an die Verfassung. Trump stellte sich daraufhin selbst als Opfer dar, schließlich sei er "böse attackiert" worden.
- Der republikanische Senator John McCain diente einst im Vietnamkrieg, er geriet in Gefangenschaft, wurde mehr als fünf Jahre festgehalten und gefoltert. 2015 sagte Trump, für ihn sei McCain kein Held. "Er ist ein Kriegsheld, weil er gefangen wurde. Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden, okay?" Trump selbst diente nie in den US-Streitkräften.
Bericht über den 25.000-Dollar-Scheck
Am Mittwoch veröffentlichte die "Washington Post" einen Bericht über Chris Baldridge. Sein 22-jähriger Sohn Dillon war im Juni in Afghanistan gestorben. Baldridge sagte nun der Zeitung, Trump habe ihn wenige Wochen nach dem Todesfall angerufen und ihm während des etwa 15-minütigen Gesprächs zwei Dinge versprochen: einen Scheck über 25.000 Dollar, umgerechnet etwa 21.200 Euro; und den Start einer Online-Spendenaktion für die Familie. Beides sei nicht passiert, zitiert die Zeitung Baldridge.
Eine Sprecherin des Weißen Hauses kritisierte die Medien in einer schriftlichen Erklärung dafür, voreingenommen zu sein und schrieb: "Der Scheck wurde verschickt."